Im Salzkammergut

Sven-Eric Bechtolf: „Wir haben alle Frakturen“

Oberösterreich
24.05.2026 15:00

Sven-Eric Bechtolf (68) zählt zu den großen Stimmen des deutschsprachigen Theaters: Ab 3. Juli spielt er die Hauptrolle in „Elisabeth II.“, das Bernhard-Stück hat in Gmunden die Premiere. Mit der „Krone“ sprach er über Thomas Bernhard, menschliche Abgründe und über das, was ihn auffängt, wenn Zweifel da sind.

Sven-Eric Bechtolf ist Schauspieler, Regisseur, Charakterdarsteller. Mit messerscharfer Sprache, intellektueller Präsenz und charismatischer Ruhe prägt er Bühne und Film seit Jahrzehnten – kompromisslos, elegant und stets überraschend.

Der langjährige Burgschauspieler trat schon mehrfach bei den Salzkammergut Festwochen in Gmunden mit Literatur-Abenden auf.

Nah beisammen: Komik und Verzweiflung
Ab 3. Juli wird er nun in der Rolle des Herrenstein in Thomas Bernhards „Elisabeth II.“ zu erleben sein. Der Linzer Schauspieldirektor David Bösch inszeniert Bernhards vorletztes Stück, das dessen ganzen Theaterkosmos – von Hochkomik bis zu tödlicher Verzweiflung, von Exzentrik bis Österreich-Kritik – noch einmal durchexerziert. Die Produktion wird zuerst in Gmunden zu sehen sein, ab Herbst dann am Landestheater in Linz.

„Krone“: Sie spielen oft Figuren mit Brüchen, Abgründen und innerem Widerstand – was zieht Sie zu diesen Rollen hin?
Sven-Eric Bechtolf: In der Theaterliteratur – und übrigens auch im Leben – ist es schwer, diesen Figuren zu entgehen. Wir alle haben Frakturen, das Theater vergrößert sie nur exemplarisch.

Sie haben 2016 den Doktor in „Der Ignorant und der Wahnsinnige“ in Salzburg gespielt. Was hat Ihnen Thomas Bernhard über den Menschen beigebracht?

Nichts. Pardon. Er hat mich bestätigt. Mich erstaunt und zum Lachen gebracht. Übrigens: „Den Menschen“ kenn’ ich gar nicht.

Was an Thomas Bernhards Figuren ist zeitlos, ja aktuell?
Aktuell? Das kann ich nicht beurteilen. Zeitlos: Seine Verzweiflung und sein Humor. Das Konstatieren unserer meist haltlosen Existenz.

(Bild: S. Bechtolf)

Sven-Eric Bechtolf

Schauspieler und Theater- und Opernregisseur. Zahlreiche Theaterarbeiten an renommierten deutschsprachigen Bühnen; von 1999 bis 2006 festes Ensemblemitglied am Wiener Burgtheater, 2015 und 2016 künstlerische Leitung der Salzburger Festspiele.

Sie werden in „Elisabeth II.“ den Herrenstein spielen. Was ist das für ein Mensch?
Ein „Monstre sacré“ – ein heiliges Ungeheuer. Ein Gespenst der österreichischen Geschichte, vom Fin de Siècle („Ende des Jahrhunderts“, Anm.) bis in die sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Sehr wienerisch.

Was an ihm lässt Sie schaudern, was ist ein Genuss für Sie an dieser Rolle? Und wo berührt diese Rolle auch einen Punkt, den Sie von sich selbst kennen?
Die Aussichtslosigkeit lässt mich schaudern. Die Einsamkeit. Und, ja, zugegeben: Es gibt Schnittmengen. Ich sag’ aber nicht welche. Der Genuss ist die ungenierte und ungebremste Suada. Wann darf man so etwas schon?

Verraten Sie uns Ihre ganz persönliche Beziehung zu Gmunden und zum Salzkammergut?

Tourist. Lederhosenenthusiast. Landschaftsfanatiker. Möchtegern-Schwan. Kunde. Gast. Liebender. Kurz: verkannter Einheimischer.

Gab es in Ihrer Laufbahn einen Moment, in dem Sie an der Kunst gezweifelt haben – und was hat Sie dennoch weitermachen lassen?
An der Kunst nicht, aber an mir selbst. Ja. Oft. Zu oft, um es hier detailliert zu beichten. Und dann: auch viele wunderbare Begegnungen, Arbeiten, Vorstellungen, Kollegen. Also, die Verzweiflung wurde immer wieder getröstet und aufgefangen.

Infos unter festwochen-gmunden.atPremiere: 3. Juli – „Elisabeth II.“ von Thomas Bernhard, Stadttheater Gmunden; (Ab 22. 10. in Linz, Kammerspiele)

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