Wer mitgestimmt hat

Gastpatienten: Wien senkt erneut die Obergrenze

Wien
29.03.2026 21:30

Von wegen Entspannung. In puncto Gastpatienten legt Wien nach. Die Ordensspitäler bekommen mehr Geld – wenn sie die Spitals-Touristen noch einmal deutlich reduzieren. Die „Krone“ kennt die Details der Regelung und welche Parteien dem zugestimmt haben. 

Mitten im Dauerstreit mit Niederösterreich setzt Wien einen neuen Akzent: Die Stadt verschärft die Obergrenzen für sogenannte Gastpatienten – also Kranke aus anderen Bundesländern, die planbare Eingriffe in Wiens Spitälern durchführen lassen, obwohl sie auch zu Hause behandelt werden könnten.

Und das mit breiter Rückendeckung: SPÖ, NEOS, Grüne, ÖVP und FPÖ stimmten sowohl im Gemeinderatsausschuss, im Stadtsenat als auch in der Gemeinderatssitzung vergangene Woche geschlossen zu.

Gesundheitsstadtrat Peter Hacker hat die Obergrenzen in den Ordensspitälern noch einmal deutlich ...
Gesundheitsstadtrat Peter Hacker hat die Obergrenzen in den Ordensspitälern noch einmal deutlich nach unten geschraubt.(Bild: Mario Urbantschitsch)

Obergrenze nochmal um 20 Prozent reduziert
Doch wie schaut die neue Regelung aus? Wiens sieben Ordensspitäler bekommen heuer deutlich mehr Geld – doch das Füllhorn hat einen Haken. Die Förderung für 2025 wurde in der Endabrechnung von 131,7 auf 160 Millionen Euro angehoben, für 2026 wurden sogar noch einmal 174 Millionen Euro genehmigt. Im Gegenzug müssen die Häuser die Zahl der Gastpatienten aktiv nach unten drücken.

Wien überweist für 2025 und 2026 insgesamt 334 Millionen Euro an die Ordensspitäler, wie zum ...
Wien überweist für 2025 und 2026 insgesamt 334 Millionen Euro an die Ordensspitäler, wie zum Beispiel das Spital Speising. Dafür haben Wiener bei planbaren Operationen Vorrang.(Bild: Martin A. Jöchl)

60 Prozent von 2019
Heißt konkret: Ab 2026 übernimmt die Stadt nur noch 60 Prozent der Gastpatienten-Belagstage des Jahres 2019. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es noch 80 Prozent. Eine weitere Reduktion um 20 Prozent. Für alles darüber hinaus fließt kein Wiener Geld. Die Rechnung ist einfach: Wer zu viele Patienten aus anderen Bundesländern aufnimmt, bleibt auf den Kosten sitzen. Als Referenzgröße gilt die Zahl von 96.138 Gastpatienten-Belagstagen aus dem Jahr 2019; daraus errechnet sich für 2026 ein Zielwert von 57.683 adaptierten Belagstagen.

Gilt nur für planbare Operationen
Ausgenommen von der Regelung bleiben Akut- und Notfälle – wer nach einem Herzinfarkt ins nächste Spital gebracht wird, bleibt selbstverständlich versorgt. Planbare Eingriffe hingegen sollen im Heimatbundesland stattfinden. Dass weiterhin Handlungsbedarf besteht, zeigen Februarzahlen: Im Orthopädischen Spital Speising lag der Gastpatienten-Anteil bei 31 Prozent, im Herz-Jesu-Krankenhaus bei 21 Prozent.

Wie stehen Parteien zur Klage?
Gegen eines der Ordensspitäler zieht die ÖVP Niederösterreich übrigens gerade vor Gericht. Die Unterstützung aus Wien dafür dürfte angesichts des All-Parteienbeschlusses wohl eher gering sein.

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