Claudia Kottal ist zurück auf der Bühne. Für das Volkstheater spielt sie derzeit „Das tragische Schicksal der Sonate Nr. 2“. Noch bis 20. Juni tourt sie mit der Festwochen-Koproduktion durch Wiens Bezirke. Ein Gespräch über große Gesten, feine Nuancen und Chopins Herz.
Claudia Kottal mag die Abwechslung. In der TV-Serie „Cop Stories“ war sie als authentische Wiener Polizistin zu sehen, bei „Wir Staatskünstler“ überzeugte sie mit pointierten Politiker-Parodien, im Wien Krimi „Blind ermittelt“ spielt sie souverän an der Seite von Philipp Hochmair. In ihrem jüngsten Projekt zieht es Claudia Kottal wieder auf die Theaterbühne. Derzeit tourt sie mit „Das tragische Schicksal der Sonate Nr. 2“ mit dem Volkstheater durch Wiens Bezirke.
„Am Theater ist spannend, dass man mehr mitgestalten und ausprobieren kann“, erzählt Kottal beim „Krone“-Interview: „Das geht beim Film natürlich auch, aber die Zeit läuft und man muss fertig werden.“ Auch das Spiel selbst ist ganz anders: „Man kann viel größer spielen im Theater, das macht auch Spaß als Abwechslung. Das Schönste ist, wenn ich beides machen kann.“
Weltweit beliebter Trauermarsch
Die „Sonate Nr. 2“ hat sie als Stück gleich angesprochen: „Es ist sehr spannend, dass es kein klassisches Theaterstück ist – und ich freue mich riesig, dass ich Klavier spielen darf in der Produktion.“ Ausgangspunkt des Stückes ist, dass auf dem Begräbnis des Hisbollah-Führers Hassan Nasrallah Chopins Trauermarsch gespielt worden ist.
„Bei der Recherche hat sich dann herausgestellt, dass diese Musik nicht nur in der arabischen Welt sehr oft erste Wahl ist, sondern auch bei der Beisetzung der britischen Premierministerin Margaret Thatcher erklungen ist. Aus der Frage, wie das sein kann, ist das Stück entstanden. Es ist offensichtlich irgendwas Universales dran und wir beschäftigen uns damit eingängig an diesem Abend.“
Das im Libanon geborene und in Berlin lebende Künstler-Duo Lina Majdalanie und Rabih Mroué hat das Stück entwickelt und führt auch Regie: „Es gibt Einblicke in das Heranwachsen im Libanon, generell in der arabischen Welt. Und wir erzählen die skurrile Geschichte von Chopins Herz. Es geht aber auch um das Schicksal dieser Sonate selbst, ob sie es verdient hat, so instrumentalisiert zu werden. Es ist also auch so etwas wie eine Ehrenrettung von Chopins Komposition.“
Jeder Abend ganz anders
Auf Tour durch die Bezirke war Claudia Kottal schon einmal und schätzt das Format überaus: „Man muss wandelbar sein, weil jeder Abend anders ist – vom Raum und vom Publikum. Es ist wirklich sehr unterschiedlich, wie reserviert die Menschen sind, wie sie sich vielleicht manchmal nicht trauen zu lachen; wie unruhig sie sind oder wie sehr dabei sie sind.“
Kottal und ihre Bühnenpartner Augustin Groz, der in der Produktion auch Cello spielt, sind dabei auch in eine ganz andre Theaterwelt eingetaucht: „Das ist eine ganz andere Theatertradition des Geschichtenerzählens – sehr theatral, sehr intensiv. Es macht jedenfalls beim Spielen unglaublichen Spaß.“
Genau diese Freude ist für die 44-jährige Schauspielerin auch ein wichtiger Schlüssel zum Theater, bei dem es ihr darum geht, „einen wahrhaftigen Moment im Hier und Jetzt zu schaffen, der wirklich nur in dem Moment stattfindet, zwischen dem Publikum und den Spielerinnen. Diese direkte Vermittlung kann etwas verändern in den Menschen, kann sie wachrütteln, etwas zu tun.“
Auch für Claudia Kottal selbst ist die Produktion eine Bereicherung: „Es ist wie ein Kurs im Geschichtenerzählen für mich als Schauspielerin. Und dafür, offen zu sein für andere Kulturen, andere Sichtweisen. Da habe ich schon gemerkt, ich bin sehr stark in einer Bubble und beschäftige mich zu wenig damit, was da noch alles auf der Welt passiert.“
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