Der Wiener Bürgermeister weilt in Rom und wurde am Mittwoch vom Heiligen Vater empfangen. Die geopolitische Lage Europas, Fragen zur Künstlichen Intelligenz sowie die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit wurden im Rahmen einer Generalaudienz erörtert.
KI mag zwar „intelligent“ sein, ihr Denken ist aber kein menschliches – die Modelle „machen keine Erfahrungen, empfinden weder Freude noch Schmerz und reifen nicht in Beziehungen“. Papst Leo XIV. hat soeben seine erste Enzyklika „Magnifica humanitas“ veröffentlicht und sich dabei mit den Chancen und Gefahren der Künstlichen Intelligenz beschäftigt.
Das Kirchenoberhaupt fordert, die KI der „Logik des bewaffneten Wettbewerbs zu entziehen, der heute nicht mehr nur militärischer, sondern auch wirtschaftlicher und kognitiver Natur ist.“
Mensch wichiger als Maschine
Ähnliche Gedanken äußert der Wiener Bürgermeisters: „Technologischer Fortschritt darf niemals auf Kosten von Menschenwürde, sozialer Gerechtigkeit oder demokratischer Teilhabe gehen“, so Ludwig. Ob das die Chefs im Sillicon Valley auch so sehen?
„Wien wird auch künftig daran arbeiten, Innovation und Verantwortung miteinander zu verbinden“, so der Stadtchef weiter. Unter dem Leitgedanken des Digitalen Humanismus beschäftige sich die Metropole seit 2019 mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Gesellschaft. „Wir verfolgen das Ziel, den Menschen wieder ins Zentrum technologischer Innovation zu stellen – und nicht umgekehrt“, so Michael Ludwig.
Die große Frage ist, ob Wien, Österreich und Europa noch überhaupt dazu in der Lage sind. Die Leitlinien und Standards in der KI-Entwicklung werden in den USA und China gemacht.
Europa und Religion
Abseits des großen Leitthemas standen die geopolitische Lage in Europa und die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit im Mittelpunkt der Gespräche. Der Wiener Religionsrat sei ein europaweit beachtetes Modell für das respektvolle Miteinander der Religionsgemeinschaften, sagte Ludwig. Und „Wien versteht sich seit Jahrhunderten als Drehscheibe für internationale Diplomatie.“
Auch hier gibt es große Gemeinsamkeiten mit dem Vatikan, der sich weltweit für Frieden, Menschenwürde, Meinungsfreiheit und Klimagerechtigkeit einsetzt.
Begleitet wird der Wiener Stadtchef bei seiner Romreise von Wirtschaftkammer-Boss Walter Ruck. „Künstliche Intelligenz bietet für die Wirtschaft große Chancen, dennoch darf nicht der Mensch aus den Augen verloren werden. Darauf ist Papst Leo bei seiner ersten Enzyklika eingegangen. Umso mehr war ich beeindruckt, den Heiligen Vater am Mittwoch persönlich treffen zu können“, so Ruck.
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