Experten warnen:

Erste Hotelprojekte wackeln wegen neuer Ortstaxe

Wien
27.05.2026 19:00

Wien erhöht die Ortstaxe in zwei Schritten auf 8 Prozent – bis 2027 eine Belastungssteigerung von 170 Prozent. Für Hotelbetriebe mit knappen Gewinnmargen könnte das den Ertrag eines gesamten Geschäftsjahres kosten. ÖVP und Hotelvereinigung verlangen einen Stopp der zweiten Erhöhungsstufe – und eine verbindliche Zweckwidmung der Steuereinnahmen.

Ab 1. Juli gilt in Wien eine neue Ortstaxe: Statt bisher 3,2 Prozent des Zimmerpreises führen Hotelbetriebe dann 5 Prozent an die Stadt ab. Ein Jahr später, mit 1. Juli 2027, soll der Satz auf 8 Prozent steigen. Unter Einrechnung der gleichbleibenden Pauschalierung entspricht das einer Belastungssteigerung von rund 170 Prozent. Beim Hintergrundgespräch, das ÖVP-Tourismussprecherin Kasia Greco gemeinsam mit der Österreichischen Hotelvereinigung organisiert hatte, zeichneten Hotelvereinigung-Vizepräsident Alexander Ipp und Schani-Hotels-Eigentümer Alexander Komarek ein düsteres Bild.

Vom Jubel der Rekordzahlen zur Kostenkrise
Greco räumte ein, dass Wiens Tourismusbilanz auf den ersten Blick glänzt: Rekordnächtigungen, steigende Gästezahlen, internationale Aufmerksamkeit. „Diese Jubelmeldungen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die wirtschaftliche Realität vieler Hotels eine ganz andere ist“, mahnte sie. Energiekosten, Personalkosten, Betriebskosten – alles steigt. Allein die Gebühren für Wasser und Abwasser sind seit 2019 um 18 Prozent gestiegen, ab 2027 kommen weitere 4,4 Prozent hinzu. Die Ortstaxe erhöht den massiven Druck nun zusätzlich.

ÖVP-Tourismussprecherin Kasia Greco, Hotelvereinigung-Vizepräsident Alexander Ipp (links) und ...
ÖVP-Tourismussprecherin Kasia Greco, Hotelvereinigung-Vizepräsident Alexander Ipp (links) und Schani-Hotels-Eigentümer Alexander Komarek warnen vor den Folgen der höheren Wiener Ortstaxe für die Hotellerie.(Bild: ÖVP Wien Rathausklub)

Ein Rechenbeispiel, das aufhorchen lässt
Komarek legte konkrete Zahlen vor: Ein Hotelbetrieb mit fünf Millionen Euro Umsatz, von denen vier Millionen der Ortstaxe unterliegen, zahlt heute rund 100.000 Euro an die Stadt. Ab Juli werden es 173.000 Euro sein, ab 2027 dann 270.000 Euro – also 170.000 Euro mehr als bisher. Bei einem sehr gut geführten Haus, das 4 bis 5 Prozent Gewinnmarge erwirtschaftet, bedeutet das: „Wenn wir annehmen, dass 200.000 Euro Jahresgewinn übrig bleiben – dann ist es auf einen Schlag de facto weg“, sagte Komarek. Was bleibt, reiche für dringend nötige Zukunftsinvestitionen kaum noch aus.

Wien bald Nummer zwei in Europa bei Ortstaxe
Ipp ergänzte den europäischen Kontext: Mit 8 Prozent Ortstaxe würde Wien direkt hinter Amsterdam auf Platz zwei der teuersten Städtedestinationen Europas landen. Der entscheidende Unterschied: Die Niederlande haben eine Gesamtabgabenquote von 37,4 Prozent, Österreich kommt auf 43,4 Prozent. Wiens Hotellerie gehört damit bereits zu den am stärksten steuerbelasteten Branchen Europas. Erschwerend: Nur 433 Hotelbetriebe – von 120.000 Wiener Unternehmen insgesamt – tragen diese spezifische Zusatzlast. Und die Mehreinnahmen fließen ohne jede Zweckwidmung ins allgemeine Stadtbudget.

Erste Hotelprojekte stehen bereits vor dem Aus
Dass die Erhöhungspläne bereits Wirkung zeigen, belegte Ipp mit konkreten Beobachtungen aus der Branche. „Man merkt deutlich, dass die Nachfrage an Standortentwicklungen zurückgeht“, sagte er. „Drei oder vier Projekte, die ich kenne, werden vom Projektentwickler nicht mehr an den Mann gebracht. Es stehen Entwicklungen mehr oder weniger halbfertig im Raum, für die es keine Nachfrage gibt.“ Damit würden pro Standort 35 bis 70 Arbeitsplätze nicht geschaffen. 

Finanzstadträtin hält an der Erhöhung fest
Das Büro von Finanzstadträtin Novak wies die Kritik zurück. Die Regelung sei kein Alleingang, sondern beim Ortstaxengipfel im September 2025 gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Wien und der Hotelvereinigung erarbeitet worden – ein „ausgewogener und tragfähiger Kompromiss“. Die Wettbewerbsfähigkeit Wiens sei intensiv geprüft worden; die Stadt bleibe aufgrund ihrer Alleinstellungsmerkmale dennoch konkurrenzfähig. Die Einnahmen kämen dem Tourismus indirekt zugute – über öffentlichen Verkehr, Grünflächen und Stadtbildgestaltung. Ein Beitrag der Gäste zur Finanzierung der von ihnen genutzten Infrastruktur sei sachgerecht, so das Ressort. Verhandlungsspielraum? Wohl eher nicht. 

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