Schaden ist enorm

Hormuz-Krise wird auch nach Frieden weitergehen

Wirtschaft
27.05.2026 22:32

Selbst wenn die USA und der Iran den Krieg bald beenden und die Straße von Hormuz wieder frei passierbar ist, bleibt folgender Fakt: Der Schaden ist schon angerichtet. Es wird Monate dauern, bis der Schiffsverkehr wieder so läuft wie vor dem Krieg – und die Wirtschaft leidet.

Die USA haben dem Iran ein neues Abkommen für ein Kriegsende vorgelegt. Darin steht, dass der Iran wieder Schiffe die Straße von Hormuz passieren lassen muss – innerhalb eines Monats muss der Schiffsverkehr wieder auf Vorkriegsniveau sein. Aktuell steht in den Sternen, ob dieses Abkommen tatsächlich umgesetzt wird. Doch selbst wenn, ist der anvisierte Zeitraum zur Erholung des Schiffverkehrs unrealistisch.

Dauert noch Monate
Es würde alleine vier Monate dauern, dass sich das Verkehrsaufkommen in der Straße von Hormuz auf 80 Prozent des Vorkriegsniveaus erholt, sagt Sultan al-Jaber von der Abu Dhabi National Oil Company. Er schätzt gegenüber der „Financial Times“, dass sich die Situation nicht vor 2027 normalisieren werde.

Die Straße von Hormuz

  • Die Straße von Hormuz ist eine enorm wichtige Handelsroute – fast ein Fünftel des weltweit verbrauchten Rohöls passiert außerhalb von Kriegszeiten die Meeresenge.
  • Durch den Iran-Krieg ist der Schiffsverkehr stark eingeschränkt worden. Der Iran sperrt weitgehend den Schiffsverkehr durch die Meeresenge und die USA blockieren iranische Häfen.
  • Seit dem 8. April herrscht offiziell eine Waffenruhe. Trotzdem gab es rund um die Straße von Hormuz mehrere Angriffe.

Ölanalyst Matt Smith von Kpler spricht von rund 166 Schiffen, die im Persischen Golf fesitzen. Wenn die Straße von Hormuz geöffnet wird, müssen die erst einmal die Meeresenge verlassen – erst danach können leere Tanker einlaufen, beladen werden und wieder auslaufen. Es könnte bis zu drei Monate dauern, bis die Tanker wieder zu ihrer vollen Transitkapazität zurückfinden, schätzt Kpler-Analystin Victoria Grabenwögner laut dem Sender CNN.

Aktuell fließt kein Öl
Nicht nur die Schiffe müssen sich nach der Öffnung der Meeresenge neu sortieren. Nach Beginn des Kriegs wurden viele Ölfelder stillgelegt. Nicht alle können wieder sofort ihren Betrieb aufnehmen, bei manchen könnte es bis zu sieben Monate dauern, bis die Produktion wieder läuft, berichtet die „Financial Times“ unter Berufung auf S&P Global. Bis die Anlagen wieder laufen, können die Schiffe allerdings die Lager der Produzenten leeren, die nach Kriegsbeginn nicht wussten, wohin sonst mit ihrem Öl.

Die Karte zeigt die Straße von Hormuz als wichtige Route für etwa 20 Prozent der weltweiten Ölexporte. Die internationale Schifffahrtsroute verläuft zwischen Iran und Oman und verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman. Quelle: APA.

Auch bei Flüssiggasanlagen kann die Produktion nicht mit einem Fingerschnippen wieder zum Laufen gebracht werden. Einige der Anlagen wurden beschädigt, sie müssen erst einmal repariert werden. 

Lage bleibt länger angespannt
Selbst wenn es frisches Öl und Erdgas gibt, heißt das weiterhin nicht, dass sich die Lage sofort wieder normalisieren wird. Ex-OMV-Chef Rainer Seele denkt, dass die Verfügbarkeit von Rohstoffen bis weit ins Jahresende angespannt bleiben wird, wie das „Handelsblatt“ schreibt. „Es werden zunächst auch die strategischen Reserven in vielen Ländern wieder aufgefüllt. Der Nachholbedarf ist riesig.“

Preis wird schnell reagieren
Eine gute Nachricht gibt es aber doch: Wenn die Straße von Hormuz offen ist, wird der Rohöl-Preis schnell reagieren, vermutet Seele. Dieser ist seit Kriegsbeginn deutlich gestiegen. „Ein Großteil dessen, was wir heute sehen, ist eine Risikoprämie, und diese wird sich schnell auflösen, sobald eine Lösung in Sicht ist“, sagt der Top-Manager beim staatlichen Ölkonzern der Vereinigten Arabischen Emirate ADNOC.

Seele glaubt, dass der Rohölpreis wieder auf das Vorkriegsniveau von umgerechnet rund 69 Euro pro Fass (159 Liter) fallen wird – aktuell liegt der Preis bei rund 86 Euro pro Fass. Zuletzt ist der Ölpreis tatsächlich etwas gesunken. Investoren setzen darauf, dass der Iran und die Vereinigten Staaten bei den Verhandlungen über einen Frieden bald einen Durchbruch erzielen.

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