Ein regelrechtes Beben löste die deutsche Moderatorin Collien Fernandes aus, nachdem schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen bekannt wurden. Im Raum stehen Anschuldigungen der sexuellen Ausbeutung durch „Deepfakes“ sowie massive Gewaltvorwürfe. Nutzer sprechen gar von einem „Pelicot-Moment“, die Rufe nach „die Scham muss endlich die Seite wechseln“ werden nun auch in Deutschland laut.
„Ich hab’ gar keine Worte dafür, wie schlimm das ist. Danke für den Mut“, schreibt die deutsche Grünen-Politikerin Ricarda Lang unter einem Instagram-Post von Fernandes und teilt ihn in ihrer eigenen Story. Darin beschreibt die Moderatorin, wie jahrelang unter ihrem Namen sogenannte „Deepfakes“, also mithilfe von KI gefälschte Nacktfotos und andere pornografische Inhalte, über Fakeprofile verbreitet wurden. Für sexuelle Chat-Kontakte soll gezielt ihr berufliches und privates Umfeld kontaktiert worden sein. Im Zentrum der Vorwürfe: Ihr Ex-Mann Christian Ulmen, der ihr an Weihnachten 2024 die Vorwürfe gestanden haben soll. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.
„Der Feind im eigenen Bett“
Erst vor einer Woche saß die 44-Jährige in der deutschen WDR-Talkshow „Kölner Treff“ und wurde auf ihren langjährigen Kampf mit Fake-Profilen von ihr angesprochen und rang sichtlich um Fassung, es sei gerade „ein schwieriges Thema“. Im Jahr 2023 ging sie damit an die Öffentlichkeit, 2024 wird ihr Weg in einer zweiteiligen ZDF-Dokureihe näher beleuchtet.
„Die Jagd nach den Tätern“, so der Name des ersten Teils, zu dem Zeitpunkt unwissend, dass der mutmaßliche Täter „die ganze Zeit über ziemlich nah“ gewesen sei, so Fernandes am Donnerstag auf Instagram. Die „Spiegel“-Recherche und die öffentliche Stellungnahme von Collien Fernandes lösten in Deutschland und darüber hinaus ein regelrechtes Beben aus: Mehr als 350.000 Menschen haben Fernandes’ Beitrag bisher gelikt, mehr als 20.000 haben ihn kommentiert. Unter dem Hashtag „Der Feind im eigenen Bett“ geht der Post derzeit viral.
Flut an Solidaritätsbekundungen
Zahlreiche Prominente, allen voran viele Frauen, meldeten sich zu Wort – und stellten sich demonstrativ hinter die deutsche Moderatorin und Schauspielerin. „Das ist nicht zu fassen. Danke für deine Offenheit“, schreibt etwa die Komikerin Carolin Kebekus. „Die Mutigste bist du“, so Autorin Sophie Passmann.
Die Grünen-Politikerin Kathrin Göring-Eckardt setzt nach: „So grausam, so unermesslich brutal, es ist kaum zu erfassen, was das zu bedeuten hat.“ Auch Model und Podcasterin Stefanie Giesinger denke an sie und bedanke sich für ihren Mut. Schleswig-Holsteins Sozialministerin Aminata Touré schreibt: „Absolut furchtbar, was dir widerfahren ist! Und volle Solidarität mit dir! Ein so wahnsinnig mutiger Schritt, das öffentlich zu machen!“
Die Geschichte ist – wieder mal – so heftig. Der deutsche Pelicot-Fall?
Die Autorin Kristina Lunz auf Instagram
Auch zahlreiche Männer stärken Fernandes den Rücken: Herzen und „viel Kraft“ gab es von den Erfindern der Serie „Discounter“. Einige zitieren den berühmt gewordenen Satz des Missbrauchsopfers Gisèle Pelicot: „Die Scham muss die Seite wechseln“, sagte etwa der SPD-Politiker Kevin Kühnert und fordert eindringlich, dass dieser Satz endlich in das Bewusstsein der Menschen gehört. „Der deutsche Pelicot-Fall?“, schreibt Autorina Kristina Lunz, und weiter: „Die Gewalt, die Christian Ulmen dir angetan hat, ist fürchterlich.“
Tekkal: „Pelicot-Moment“
Die deutsche Autorin und Fernsehjournalistin Düzen Tekkal nennt den Fall einen „Pelicot-Moment“ und gibt sich kämpferisch: „Wir hören dir zu und stehen hinter dir! Wir Frauen werden uns wehren!“ Auch Louisa Dellert, Autorin und Influencerin, greift die Recherche auf und veröffentlicht dazu einen eigenen Beitrag mit dem Titel: „Nicht alle Männer, aber wenn, dann eigentlich immer Männer.“
ProSieben entfernt „Jerks“ aus Mediathek
Das Unternehmen Shop Apotheke, in dessen TV-Werbungen das frühere Ehepaar Fernandes und Ulmen zu sehen war, zog „aus gegebenem Anlass“ bereits erste Konsequenzen und beschloss, vorerst keine Spots mehr auszustrahlen, so das Unternehmen gegenüber RTL. Auch ProSieben kündigte laut „Bild“ an, die Serie „Jerks“ vorerst aus der Mediathek zu nehmen.
Die Anschuldigungen werfen ein Schlaglicht auf eine Form von digitaler Gewalt, für die das deutsche Strafrecht bislang kaum gerüstet ist. Fernandes’ Kampf dagegen war lange weitgehend erfolglos: Eine Strafanzeige beim Berliner Landesgericht im November 2024, damals noch gegen Unbekannt, brachte damals keinen Erfolg, die Ermittlungen wurden wegen unzureichender Beweismittel eingestellt.
In Spanien, wo das Ex-Paar zuletzt gelebt hat, hat Fernandes nun Anzeige gegen ihren Ex-Mann erstattet. Es gehe laut „Spiegel“ auch um mehrere Gewaltvorwürfe. Das Verfahren befindet sich noch in einem frühen Stadium, für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung.
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