Neue Regelung ab 2027?

Kinder mit Behinderungen dürfen länger zur Schule

Innenpolitik
08.05.2026 23:16
Porträt von krone.at
Von krone.at

Ab 2027/28 wird der oft geforderte Rechtsanspruch auf ein 11. und 12. Schuljahr für Kinder mit Behinderungen kommen. Das sagte Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) am Freitag bei einer Veranstaltung im Parlament.

In Österreich gab es laut Statistik Austria im vergangenen Schuljahr etwa 31.400 Kinder und Jugendliche, denen wegen einer körperlichen oder geistigen Behinderung ein Sonderpädagogischer Förderbedarf (SPF) attestiert wurde. Das sind etwa fünf Prozent der Pflichtschülerinnen und Pflichtschüler Österreichs. Derzeit wird mehr als ein Drittel der Kinder und Jugendlichen mit Behinderungen in separaten Sonderschulklassen unterrichtet, in einigen Bundesländern wie Wien und Niederösterreich ist es die Hälfte.

Seit den 1990er-Jahren können Eltern wählen, ob ihr Kind eine Sonderschule beziehungsweise Sonderschulklasse besuchen oder gemeinsam mit anderen ohne Behinderung inklusiv unterrichtet werden soll. „Man braucht hier in Relation von Ressourcen nicht von Elternwahlrecht zu sprechen“, kritisierte allerdings Bildungsforscher Tobias Buchner von der Universität Wien. An den Regelschulen würden die Möglichkeiten fehlen, schwerstbehinderte Kinder und Jugendliche zu unterstützen.

Bildungsminister Christoph Wiederkehr macht derzeit eine Ankündigung nach der anderen.
Bildungsminister Christoph Wiederkehr macht derzeit eine Ankündigung nach der anderen.(Bild: Krone KREATIV/Zwefo, SEPA Media)

Das sind die häufigsten Diagnosen
Die häufigsten Diagnosen beim SPF-Bedarf sind laut Buchner Lern-/Leistungsbeeinträchtigungen, Verhaltensauffälligkeiten und kognitive Beeinträchtigungen. Dass der Anteil gestiegen ist, hat laut dem Forscher auch mit gestiegenen Erwartungen an die Schülerinnen und Schüler und mehr Druck auf die Schulen durch Leistungsvergleiche zu tun. Derzeit würden Fördermittel an diejenigen verteilt, die „am lautesten schreien“.

Wiederkehr versprach nun, „so bald wie möglich“ ein Reformpaket im Parlament zu verabschieden. Eltern dürften nicht mehr in eine Bittstellerrolle kommen. Es sei auch keine „Sozialromantik“, allen Kindern gute Bildung zu ermöglichen, sondern eine Investition in den gesellschaftlichen Zusammenhalt und „die Fachkräfte von morgen“. Drängende Themen seien derzeit auch eine einheitliche Schulassistenz, die Aus- und Weiterbildung des Lehrpersonals und kleinere Klassen für Kinder etwa aus dem Autismusspektrum.

Grüne: „PR-Show“
Die Grünen sehen in den Ankündigungen eine „PR-Show“. „Was wir heute erleben, ist das nächste PR-Event nach dem Muster des ‘Plan Z-Zirkus’, während die Betroffenen verzweifeln. Minister Wiederkehr verspricht Reformen, bringt aber nichts auf den Boden“, sagte Bildungssprecherin Sigrid Maurer in einer Aussendung. „Wir brauchen eine Reform, die Ressourcen dorthin bringt, wo alle Kinder sein sollen – in das inklusive Regelschulsystem. Minister Wiederkehr muss seinen Versprechen endlich Taten folgen lassen, anstatt den Inklusionsstau mit bloßen Nebelgranaten zu kaschieren.“

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung