Der Krieg zwischen den USA und dem Iran steckt in einer heiklen Zwischenphase. Während offiziell weiter eine Waffenruhe gilt, kam es in der Nacht auf Freitag erneut zu gegenseitigen Angriffen. Während beide Seiten betonen, keinen offenen Großkrieg anzustreben, warnen Experten vor einer hochgefährlichen Dynamik. Denn schon ein einzelner Treffer könnte die Lage völlig außer Kontrolle geraten lassen.
Der österreichische Politologe Klemens Fischer von der Universität zu Köln zeichnet gegenüber dem Nachrichtensender n-tv ein düsteres Bild der aktuellen Lage. Zwar halte die Waffenruhe bislang überraschend stabil, dennoch sei die Situation extrem fragil. „Ein Glückstreffer könnte die komplette Eskalation auslösen“, warnt Fischer.
„Ein einziger Schuss“ könnte alles verändern
Besonders gefährlich sei laut Fischer, dass beide Seiten derzeit ihre Grenzen austesten würden. Große Angriffe seien zuletzt zwar ausgeblieben, kleinere militärische Aktionen und Provokationen hätten aber nicht aufgehört. So wertet er auch die jüngsten US-Angriffe auf Ziele in Teheran als „Teileskalation“.
Noch reagierte der Iran vergleichsweise zurückhaltend. Genau darin sieht Fischer allerdings keinen Grund zur Entwarnung. Gegenüber n-tv erklärt der Politologe, eine Eskalation könne „innerhalb von einem einzigen Angriff passieren“.
Als Beispiel nennt er einen möglichen Treffer gegen ein amerikanisches Kriegsschiff oder einen besonders schweren Schlag gegen Ziele in Teheran. „Das wäre etwas, das wirklich nach einem einzigen Schuss die komplette Eskalation auslösen kann“, so Fischer.
Beide Seiten wollen offenen Krieg vermeiden
Trotz der gegenseitigen Angriffe sieht der Politologe derzeit aber Anzeichen dafür, dass weder Washington noch Teheran an einer völligen Eskalation interessiert seien. Die Waffenruhe funktioniere „relativ besser, als man es sich hätte erwarten können“.
Sehr zynisch gesagt, wäre eine solche Friedensvereinbarung für den Iran beinahe eine Verbesserung.

Politologe Klemens Fischer
Bild: Klemens Fischer, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Auch die aktuellen Entwicklungen deuten darauf hin, dass parallel weiter an einer politischen Lösung gearbeitet wird. US-Außenminister Marco Rubio erwartet noch am Freitag eine Antwort Teherans auf einen neuen US-Vorschlag zur Beendigung des Kriegs. Die einseitige Absichtserklärung umfasst laut US-Angaben 14 Punkte und soll einen Rahmen für zunächst 30-tägige Verhandlungen schaffen.
Diskutiert werden dabei unter anderem Lockerungen der US-Sanktionen, die Zukunft der Straße von Hormuz sowie mögliche Vereinbarungen zum iranischen Atomprogramm.
Trump will als Sieger dastehen
US-Präsident Donald Trump betonte trotz der nächtlichen Angriffe erneut, die Waffenruhe sei weiter in Kraft. Gleichzeitig drohte er dem Iran mit noch härteren Militärschlägen, sollte keine Einigung zustande kommen.
Für Fischer verfolgt Trump dabei auch ein innenpolitisches Ziel. Der Präsident müsse die Hoffnung auf ein Friedensabkommen aufrechterhalten, „denn wir sehen sofort die Reaktionen an der Börse“. Trump wolle sich als jener Politiker präsentieren, der Frieden erzwingt und diktiert.
Der Iran wiederum versuche laut Fischer, seine bisherigen Positionen zu sichern, ohne dabei wie ein Verlierer auszusehen. Eine Kapitulation würde für das Mullah-Regime womöglich das eigene Ende bedeuten.
Regime sogar stabilisiert – bittere Aussichten für Bevölkerung
Besonders brisant ist Fischers Einschätzung möglicher Friedensfolgen. „Sehr zynisch gesagt“, wäre eine Einigung für den Iran unter Umständen sogar eine Verbesserung der eigenen Lage. Sollte das Regime trotz des Kriegs an der Macht bleiben und internationale Zugeständnisse erreichen, könnte es gestärkt aus dem Konflikt hervorgehen.
Für die iranische Opposition wäre das laut Fischer hingegen „definitiv eine Katastrophe“. Israel wiederum könne bestenfalls einige Jahre Stabilität gewinnen. Die USA hätten trotz ihrer militärischen Überlegenheit bislang hingegen „nicht wirklich viel erreicht“.
Währenddessen bleibt die Lage im Persischen Golf angespannt. Das iranische Militär wirft den USA vor, einen Öltanker, ein weiteres Schiff sowie zivile Gebiete angegriffen zu haben. Washington spricht dagegen von Selbstverteidigung nach iranischen Attacken. Bei einem Angriff auf ein iranisches Frachtschiff sollen laut iranischen Angaben zehn Seeleute verletzt worden sein, fünf weitere werden vermisst.
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