Der Josefitag am 19. März ist in der Steiermark ein gesetzlicher Landesfeiertag – zumindest auf dem Papier. In der Realität ist von seiner Bedeutung jedoch immer weniger zu spüren. Fragen Sie mal bei Schülern nach, ob sie wissen, warum sie heute frei haben...
Seit mehr als 250 Jahren gilt der heutige 19. März als unser Landesfeiertag, der dem heiligen Josef, dem Schutzpatron der Steiermark, gewidmet ist. Seit Jahren versucht die Landesregierung, diesen zunehmend in Vergessenheit geratenen Tag „wiederzubeleben“ – durch volkskulturelle Veranstaltungen, programmatische Reden oder Landesempfänge. In vielen Gemeinden finden außerdem festliche Gottesdienste statt, bei denen an Jesu Ziehvater als Vorbild für Fleiß, Bescheidenheit und Verantwortungsbewusstsein erinnert wird. Das ist wichtig und richtig – doch in Wahrheit ist der Erfolg der Bemühungen überschaubar. Viele Steirer wissen nicht, warum die Kinder heute schulfrei haben und im Nachbarort der „Josefimarkt“ stattfindet. Der heilige Josef als Namensgeber, die religiösen Wurzeln, die historische Bedeutung für die Steiermark – all das scheint im Alltag kaum mehr eine Rolle zu spielen.
Der Bedeutungsverlust des Josefitages begann 1968, als er als gesetzlicher Feiertag abgeschafft wurde. Diese Entwicklung ist symptomatisch für einen generellen Umgang mit Traditionen: Man hält formal daran fest, entleert sie aber gleichzeitig ihres Inhalts. Wenn ein Feiertag weder konsequent gelebt wird noch als arbeitsfrei gilt, verliert er zwangsläufig an Bedeutung.
Vielleicht wäre es an der Zeit, sich ehrlich zu fragen: Entweder man steht zu solchen Traditionen und vermittelt ihren Sinn aktiv – auch im Bildungsbereich – , oder man gesteht sich ein, dass sie im modernen Alltag keinen Platz mehr haben. Der derzeitige Zustand jedenfalls wirkt halbherzig und trägt eher zur Gleichgültigkeit als zur Bewahrung von kulturellem Erbe bei.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Josefitag – auch wenn Sie vermutlich arbeiten müssen!
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