Eine einseitig vom Kreml ausgerufene Waffenruhe für die Feierlichkeiten anlässlich des Weltkriegsgedenkens an diesem Wochenende ist am Freitag in Kraft getreten. Doch sie steht auf wackeligen Beinen, zumal sich sowohl Russland als auch die Ukraine gegenseitige Drohungen ausgerichtet haben. So warnte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ausländische Staatsvertreter davor, am Samstag an der Weltkriegsparade in Moskau teilzunehmen.
Es war nicht sofort klar, ob die Kampfhandlungen tatsächlich eingestellt werden. Um Mitternacht Ortszeit herrschte in den meisten Teilen der Ukraine kein Luftalarm. In Russland meldete die staatliche Nachrichtenagentur TASS kurz nach Mitternacht vorübergehende Einschränkungen aus Sicherheitsgründen am Moskauer Flughafen Wnukowo. Sie berief sich dabei auf die russische Luftfahrtbehörde Rosawiazija.
Selenskyj rät vom Besuch der Weltkriegsparade ab
Die russische Luftabwehr hat nach Angaben von Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin mehr als 50 Drohnen im Anflug auf die russische Hauptstadt abgefangen. Die Abschüsse erstreckten sich über einen Zeitraum von etwa 15 Stunden bis in die Nacht, teilte Sobjanin auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Rettungskräfte untersuchten demnach Trümmerteile am Boden. Das Verteidigungsministerium in Moskau meldete zudem den Abschuss von 95 ukrainischen Drohnen über zentralen und südlichen Regionen des Landes.
Die Ukraine wirft der Regierung in Moskau vor, die Waffenruhe diene lediglich dem Schutz der Parade vor ukrainischen Drohnenangriffen. Kiew bot stattdessen eine unbefristete Feuerpause ab dem 6. Mai an, was Russland bisher ignoriert. „Wir haben auch Meldungen aus einigen an Russland angrenzenden Staaten erhalten, wonach deren Vertreter vorhaben, nach Moskau zu reisen“, sagte Selenskyj am Donnerstag in seiner allabendlichen Videoansprache und fügte an: „Ein seltsamer Wunsch, gerade in diesen Tagen. Wir raten davon ab.“
Russen fordern ausländische Diplomaten auf, Kiew zu verlassen
Das russische Verteidigungsministerium erklärte am Donnerstag: „Wir erinnern die Zivilbevölkerung von Kiew und die Mitarbeiter ausländischer diplomatischer Vertretungen erneut daran, dass sie die Stadt rechtzeitig verlassen müssen.“ Im Falle eines ukrainischen Angriffs werde Moskau „mit gleicher Münze zurückzahlen“.
Weitere Internetblockaden angekündigt
Aus Angst vor ukrainischen Angriffen sollen bei den Feierlichkeiten in Moskau anders als in den vergangenen Jahren aber keine Panzer oder anderes schweres militärisches Gerät in Moskau auffahren. Die russischen Sicherheitsdienste bereiteten sich auf die Parade vor, insbesondere mit Blick auf die „terroristische Bedrohung“ durch die Ukraine, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Das gelte auch für die persönliche Sicherheit von Präsident Wladimir Putin. Peskow kündigte zudem weitere Internetblockaden in Moskau an. Diese seien nötig, um die Sicherheit der Einwohner zu gewährleisten.
Von der Leyen: „Russland meint es nicht ernst“
Nach Drohungen aus Moskau mit einem „Vergeltungsschlag“ auf Kiew hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Russland mangelnde Friedensbemühungen vorgeworfen. „Die heutigen Luftangriffe auf die Ukraine zeigen einmal mehr, dass Russland es nicht ernst meint, wenn es von Waffenruhe oder Frieden spricht“, erklärte von der Leyen am Donnerstag im Onlinedienst X.
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