Hyundai sieht das Billig-Konzept etwas anders als Dacia oder auch Skoda, denn die Koreaner (die ihre Autos übrigens in Europa konstruieren und bauen) bieten deutlich mehr Luxus-Ausstattung an. Gegen Aufpreis versteht sich, insofern ist "billig" ziemlich relativ. Unser Testwagen mit 136 PS starkem 2-Liter-Diesel und Allradantrieb kostet jedenfalls 37.790 Euro, hat aber auch so ziemlich alles an Bord, was Hyundai feilhält. Auszug aus der Ausstattungsliste gefällig?
Xenon-Scheinwerfer; beheizbare Scheibenwischerblätter; Smartkey, der einfach in der Hosentasche bleibt; Ledersitze; Multifunktions-Lederlenkrad; elektrisches Glaspanoramadach; Zweizonen-Klimaautomatik; Navigationssystem; Bluetooth-Freisprechanlage; Rückfahrkamera; einstellbare elektrische Servolenkung; Bergabfahrhilfe; Berganfahrhilfe und als Gipfel der Dekadenz ist das Lenkrad auch noch beheizbar. Preis-Leistungs-mäßig ist das eine starke Ansage, denn für einen vergleichbar ausgestatteten VW Tiguan werden locker 7.000 Euro mehr aufgerufen. Wer das alles nicht braucht, ist beim ix35 aber tatsächlich schon unter 20.000 Euro dabei, und da ist nicht nur die Klimaanlage schon drin.
Im Alltag ist also alles da, was man braucht. Die Musik spielt via Bluetooth, das Handy lädt per USB, der Hintern wird elektrisch gewärmt und das Panoramadach kann man bei praktisch jedem Tempo offen lassen, ohne dass es wummert. Hut ab, das schaffen teurere Autos häufig nicht.
Also: Woran merkt man den Preisunterschied?
En gros ist alles da, alles easy, alles fein. En Detail merken verwöhnte Naturen aber, in welcher Preisliga wir hier spielen. Zunächst ist da die Anmutung zu nennen, die nicht die hochwertigste ist, ja gar nicht sein kann, goldene Türschnallen gibt's eben nicht zum Sparpreis. Man sitzt nicht perfekt, aber absolut gut genug, findet sich schnell zurecht, weil alles intuitiv zu bedienen ist. Und: Nicht überall ist das Blutooth-Handy so schnell connectet wie hier, ohne Studium der Betriebsanleitung.
Der Diesel ist kein Leisetreter, aber recht kräftig und absolut reisetauglich. Nur leider auch kein Kostverächter. Unsere unbestechliche Verbrauchsbilanz weist für den 1.679 kg schweren Wagen (DIN) am Ende des Dauertests einen Durchschnitt von 8,5 Liter Diesel pro 100 Kilometer aus - deutlich zu viel für diese Klasse. Das Sechsganggetriebe neigt etwas zum Haken, das hat sich aber im Lauf der Zeit gebessert (wir haben den ix35 frisch vom Fließband übernommen), außerdem ist es gut gestuft und der Schalthebel liegt gut in der Hand.
Das Fahrwerk haben die meisten Kollegen, die den Hyundai ix35 genutzt haben, als sehr ausgewogen gelobt. Wenn man ganz genau hinspürt, merkt man aber, dass es eine Spur geschmeidiger sein könnte. High-Tech-Assistenten wie Abstandstempomat, Notbremsassistent usw. sind nicht zu bekommen. Einen Assistenten hat unser Testwagen allerdings: Er kann selbsttätig einparken, und das funktioniert auch tatsächlich richtig gut.
Praktisch, aber eine Billiglösung, ist der schlüssellose Zugang: Zum Öffnen UND Schließen muss man ein Knöpfchen am Griff drücken (wie z.B. auch bei Mazda üblich), aber immerhin ist der Startknopf nicht an der Lenksäule. Der Rotstift wurde auch bei der Konstruktion der Umklappfunktion der geteilten Rücksitzlehnen angesetzt: Beim Aufrichten verklemmt sich der Sicherheitsgurt. Apropos Kofferraum: Das Gepäcknetz gibt es genau so auch anderswo – im ix35 fehlen allerdings teilweise die Haken zum Einhängen.
Fazit
Was auf der Billig-Seite bleibt, ist also ein trinkfreudiger Motor, der einen aber nicht arm macht, und eine Reihe Kleinigkeiten, bei denen jeder für sich selbst beurteilen kann, ob ihn das eine oder andere stört oder ob er sich einfach an einem sehr gut ausgestatteten, sehr preiswerten Auto erfreut, das durchaus nicht nach Billigheimer aussieht und eine ganze Reihe Stückln spielt. Reine Geschmackssache: Man kann den Hyundai ix35 kaufen, weil er günstig ist – oder weil er einem taugt.
Warum?
Warum nicht?
Oder vielleicht …
… Kia Sportage, Mazda CX-5, Skoda Yeti etc.
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