Das hohe 12C

McLaren 650S Spider: Perfekt für die wilde 300

Motor
07.05.2014 23:47

Sophisticated ist wohl eine passende Bezeichnung für den Wahnsinn, den ein McLaren ausstrahlt. Fein wirkt er, nicht brachial, er braucht kein Goldkettchen auf der behaarten Brust. Emotional gesehen liegen Welten zwischen den Briten und üblichen Verdächtigen vom Schlag eines Lamborghini oder Ferrari. Nun haben sie den aktuellen Carbon-Sportler namens 12C nochmals rundum verfeinert, nennen ihn 650S und sind mit Recht stolz darauf.

(Bild: kmm)

Der McLaren 650S wurde ursprünglich als Bindeglied zwischen dem 12C und dem P1 apostrophiert. Ja, seine Front orientiert sich an dem 916 PS starken Hybrid-Hypersportler, dessen 375 Stück umfassende Serie bereits ausverkauft ist. Tatsächlich ist er jedoch sein Nachfolger.

Erstaunlich, was sie noch herausgeholt haben
Der stärkere Motor ist spürbar. 650 statt 625 PS, dazu 678 statt 600 Nm - Werte, die anderswo per Chiptuning realisiert werden. Die Briten haben dem 3,8-Liter-Biturbo-V8-Mittelmotor jedoch neue Kolben und Zylinderköpfe sowie neue Auslassventile verpasst. Doch damit nicht genug, der Wagen ist in 18 Monaten Entwicklungszeit grundlegend verbessert worden. Lenkung und Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe perfektioniert, Carbon-Keramik-Bremsen in den Serienumfang aufgenommen, mehr Anpressdruck aus der geänderten Luftführung geholt. Die Federraten verhärtet und die Spreizung der Fahrmodi Normal, Sport und Track vergrößert; auf "Normal" gleitet der McLaren noch immer ungewöhnlich geschmeidig über Bodenunebenheiten - da waren Perfektionisten am Werk.

Der vornehme Brite muss sich weder vor einem Aventador noch vor einem 458 Speciale verstecken, in 3,0 Sekunden reißt der trocken 1.370 kg leichte 650S Spider die Hundertermarke nieder, nach 8,6 Sekunden sind 200 km/h erreicht (Coupé 3,0/8,4 s) - damit nimmt er dem 12C bis 200 vier Zehntel ab. Ab 3.000 Touren geht es mächtig voran, von da weg bis 7.000/min. liegen immer 95 Prozent des maximalen Drehmoments an. Die kleinen, kalten Schaltpaddles klicken Gänge nahtlos, blitzschnell und ruckfrei rein.

Lebe lieber leichter
Beim Fahren fällt die totale Problemlosigkeit auf, die extreme Leichtigkeit in der Bedienung. 200 km/h zu fahren hat was von einem Skispringer vor dem Abstoßen. Es fühlt sich völlig normal an, mit 250 oder 300 km/h über eine deutsche Autobahn zu pressen, vom Sound beflügelt. Steigt man voll in die Eisen (bzw. Teller), wird der Heckflügel zu einer Art Bremsfallschirm und die schnelle Fuhre extrem schnell langsamer. Dabei bleibt alles so gelassen und stabil, dass man nebenbei fast das neue (und jetzt sehr gelungene) Navi programmieren möchte, um sich eine schöne, kurvige Landstraße zu suchen.

Denn noch mehr Spaß als das Tempobolzen macht alles, was kurvig ist. Der 650S ist so handlich, liegt so präzise. Es zahlt sich auch aus, für 17 Sekunden unter 30 km/h zu fahren, um das Klappdach zu öffnen und sich mit dem puren Sound zu verwöhnen und sich erst recht mit Umgebung und Straße verschmolzen zu fühlen (wenn man die 30.000 Euro Aufpreis in den Spider investiert hat).

Irgendwie ein Auto für alle
Kommunikativ sollte man sein, denn bei entsprechender Fahrweise steht man häufiger an der Tankstelle, wo sich sofort Menschentrauben bilden und Smartphones gezückt werden. Sie lichten das jetzt viel stimmigere Design ab; den Frontflügel, der jetzt praktisch bis in die Enden der Scherentüren reicht; die vergrößerten Lufteinlässe; das McLaren-Logo, das sich überall, von den Scheinwerfern bis in die vergrößerten Lufteinlässe wiederfindet. Nur auf der Fronthaube nicht mehr. Dort steht jetzt ein fades, ausgeschriebenes "McLaren". "Unsere Kunden waren es leid, ständig die Nachfragen ihrer Nachbarn zu beantworten", erklärt McLaren-Designchef Frank Stephenson. Das wiederum passt zur Generation Smartphone, die lieber in einer App fingert als einen Passanten nach dem Weg zu fragen.

Bei der Bestellung wird der freundliche McLaren-Händler nach Leder oder Alcantara für die Innenausstattung fragen, kostet beides das Gleiche. Die leichten Carbon-Schalensitze setzen eine Extra-Investition voraus - ebenso wie einen eher drahtigen Hintern. Den wird man auch zusammenzwicken, wenn man den Kaufpreis von mindestens 328.041 Euro (für den Spider) überweist. An den 5.000 Euro extra für Parksensoren und Rückfahrkamera (braucht etwas lang, bis sie ein Bild zeigt) sollte man nicht zu knausern beginnen, und auch ansonsten wird sich noch der eine oder andere Posten auf der Aufpreisliste finden. Aber immerhin kann man sich das Goldkettchen sparen.

Warum?

  • Extrem gelungene Weiterentwicklung des McLaren 12C
  • Für einen Supersportwagen erstaunlich komfortables Fahrwerk

Warum nicht?

  • Kein Allradantrieb erhältlich

Oder vielleicht …

… Ferrari 458 Speciale, Lamborghini Huracan oder Aventador, Audi R8 Spyder

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(Bild: kmm)



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