"Nutzer verteidigen"

Twitter will sich türkischen Behörden nicht beugen

Web
25.03.2014 08:33
Im Streit um die Twitter-Sperre in der Türkei hat der US-Kurznachrichtendienst seinen Nutzern die Geheimhaltung ihrer Daten zugesichert. "Twitter steht weiter dazu, die Privatsphäre unserer Nutzer in der Türkei zu verteidigen - wir werden ihr Vertrauen nicht verraten", teilte Twitter am Montag mit.

Viele Nutzer hatten die in der Nacht auf vergangenen Freitag eingeführte Blockade zunächst umgangen. Die türkischen Behörden setzten auf eine DNS-Sperre, wodurch bei den einheimischen Internetprovidern die Übersetzung der Web-Adresse twitter.com in den entsprechenden IP-Zahlenblock verhindert wurde. Wer die IP-Adresse kannte oder alternative DNS-Dienste nutzte, kam trotzdem ans Ziel.

Seit dem Wochenende wird Twitter auch direkt über die IP-Adresse blockiert. Zudem hat die Regierung Umgehungen der Sperre über alternative DNS-Server wie Google DNS blockiert. Ein DNS-Server löst einen eingetippten Domainnamen wie twitter.com in die technische Adresse (IP-Adresse) auf. Wer Google als DNS-Dienst in seinem Browser eingetragen hatte, konnte auch in der Türkei wie bisher auf einfache Weise auf twitter.com gehen, ohne die IP-Adresse von Twitter kennen zu müssen.

Seit Montag ist türkischen Medien zufolge auch Twitters Linkverkürzer t.co gesperrt. Damit werden beim Klick auf solche Links die Websites dahinter nicht mehr aufgerufen. Twitter kann allerdings noch über sogenannte VPN-Dienste erreicht werden, die einen verschlüsselten Tunnel zum Internet herstellen.

Erdogan nach Korruptionsvorwürfen unter Druck
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan ist durch eine Reihe von Korruptionsvorwürfen unter Druck geraten. Er hatte den für seine politischen Gegner wichtigen Kommunikationskanal Twitter wenige Tage vor der am 30. März geplanten türkischen Kommunalwahl blockieren lassen. Seine Behörden beziehen sich dabei auf türkische Gerichtsurteile.

Die Twitter-Sperre stieß bei westlichen Regierungen und der EU auf scharfe Kritik. Auch der türkische Staatschef Abdullah Gül kritisierte die Sperrmaßnahme.

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