Premier im Abseits

Fico will zu Putin, aber Balten sperren Luftraum

Außenpolitik
19.04.2026 17:56
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der slowakische Regierungschef Robert Fico will heuer erneut zum „Tag des Sieges“ nach Moskau reisen und Kremlchef Wladimir Putin treffen. Dafür muss er aber einen Umweg in Kauf nehmen. Denn die baltischen Staaten verweigern ihm wegen der russischen Aggression den Überflug.  

„Fico wird erneut keine Genehmigung erhalten, den estnischen Luftraum für einen Flug nach Moskau zur Teilnahme an der Parade am 9. Mai zu nutzen“, teilte Estlands Außenminister Margus Tsahkna in Tallinn mit. Zuvor hatte Fico in einem Video selbst mitgeteilt, dass ihm Lettland und Litauen den Überflug verweigern. Offizielle Bestätigungen aus Riga und Vilnius lagen zunächst nicht vor.

Luftraum schon 2025 gesperrt
Russland begeht jedes Jahr am 9. Mai den „Tag des Sieges“ – den russischen Feiertag zum Gedenken an den sowjetischen Sieg über Hitler-Deutschland. Bereits 2025 hatten die an Russland grenzenden Baltenstaaten ihren Luftraum für Staats- und Regierungschefs gesperrt, die zu den Feierlichkeiten nach Moskau reisen wollten. Darunter war bereits im Vorjahr auch Fico – als einziger Gast aus Europa neben dem serbischen Staatschef Aleksandar Vučić.

Die Parade zum 9. Mai in Moskau ist stets eine Machtdemonstration des russischen Regimes.
Die Parade zum 9. Mai in Moskau ist stets eine Machtdemonstration des russischen Regimes.(Bild: EPA/MAKSIM BOGODVID / HOST PHOTO AGENCY RIA NOVOSTI / HANDOUT)

Fico will auch in die Normandie
Auch für dieses Jahr hat Fico wieder seine Reise zur Gedenkveranstaltung in Moskau geplant. In einem Facebook-Video kündigte er vor zwei Wochen an, er wolle abgesehen von der gewohnten Kranzniederlegung am Gefallenendenkmal in Bratislava-Slavin an drei internationalen Veranstaltungen teilnehmen. Die erste Station sei das ehemalige Konzentrationslager in Dachau, wofür er noch keinen konkreten Termin nannte. Am 9. Mai sollte Moskau folgen und im Juni die Normandie. Dort wird der alliierten Soldaten gedacht, die 1944 mit ihrer Landung eine zweite Front eröffnet hatten. Zum Gedenktag am 6. Juni versammeln sich dort traditionell westliche Staatschefs, seit Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine wird Putin dazu nicht mehr eingeladen.

Er wolle „seine Ehrerbietung allen erweisen, die gegen den Faschismus kämpften, und jenen, die seine Opfer wurden und unglaubliches Leid ertragen mussten“, sagte Fico in dem Video. Er kritisierte in der Vergangenheit wiederholt, dass westliche Staaten am Gedenken in Moskau nicht teilnehmen und forderte ein Auseinanderhalten von aktuellen Konflikten und dem gemeinsamen Gedenken.

Kein Überflug für Moskau-Freunde
Außenminister Tsahkna betonte, dass Estlands Position eindeutig sei: Kein Land dürfe den estnischen Luftraum nutzen, um die Beziehungen zu Russland zu stärken, solange Moskau weiterhin internationale Normen missachte und seine Aggressionen gegen die Ukraine und die Sicherheit Europas fortsetze. Estland und die beiden anderen Baltenstaaten sind enge Partner und Unterstützer der Ukraine, die sich seit mehr als vier Jahren gegen eine russische Invasion wehrt.

Estland, Lettland und Litauen waren im Zweiten Weltkrieg abwechselnd von der Sowjetunion und Deutschland besetzt. Nach Kriegsende blieben sie bis 1991 gezwungenermaßen Teil der Sowjetunion. Die meisten Esten, Letten und Litauer sehen den 9. Mai daher nicht als Tag des Sieges über Hitler-Deutschland, sondern als Beginn der erneuten Besatzung ihrer Heimatländer durch die Sowjetunion.

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