"Unsere Bürger sollten die Frage stellen: Wie viele Daten sammeln Google, Facebook und die anderen Provider über uns, ist es sogar mehr, als unsere Regierungen über uns sammeln?" Die Expertin vermutet, dass es zu jedem Menschen ein Bürgerprofil gibt, das irgendeine Internetfirma angelegt hat. "Natürlich ist das für Marketing-Zwecke, aber man sollte die Frage stellen, was von unserer Privatsphäre wir bereits zur kommerziellen Verwendung preisgegeben haben."
Sie habe den Eindruck, dass die Medien in der Debatte über Datenschutz nicht verantwortungsvoll berichteten, sagte Hathaway. "Ich denke, die Medien sollten sich anschauen, wie viel von unserer Privatsphäre wir schon freiwillig aufgegeben haben, und wenn Google dieses Profil verkaufen wollen würde, wie es aussehen würde."
Manning und Snowden als Gesetzesbrecher
Zudem dürfe man nicht vergessen, dass der US-Enthüller Edward Snowden ebenso wie der Wikileaks-Informant Bradley Manning Informationen illegal kopiert hätten.
"Ja, sie waren politische Aktivisten, aber sie haben wissentlich das Gesetz gebrochen, und alle unsere Nationen glauben an das Recht." Das sei es, was uns zu zivilisierten Staaten mache. Hathaway fragte: "Also, was würde passieren, wenn dasselbe hier in Österreich oder in Deutschland oder in Frankreich geschehen würde?"
NSA-Skandal sorgt für öffentliche Diskussion
Folgen aus der Causa Snowden sieht die Internetexpertin der Universität Harvard auf vielen Ebenen. In den USA werde verstärkt über Sicherheit und Privatsphäre diskutiert, weil es eine neue Transparenz hinsichtlich Aktivitäten gebe, die zwar bekannt gewesen, aber vergessen worden seien.
"Der Foreign Intelligence Surveillance Act war in den Vereinigten Staaten immer ein umstrittenes Gesetz." Das Vorgehen Snowdens habe es nun wieder in den Vordergrund der Debatte gerückt.
Causa Snowden erschwert Geheimdienstarbeit
International sieht die Expertin einen Bedarf an mehr Dialog. Die Bürger vieler Staaten seien über die Enthüllungen überrascht. Es werde nun wohl auch mehr Diskussionen darüber geben, "was macht meine Regierung", auch in europäischen Ländern.
Den Nachrichtendiensten erschwerten die Enthüllungen jedenfalls die Arbeit, meinte Hathaway. "Das gilt wahrscheinlich in zweierlei Hinsicht: Sie werden sich jetzt auf Kontrollen innerhalb der Organisationen konzentrieren und im Äußeren wissen unsere 'Gegner' jetzt viel mehr darüber, was sie tun."
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