Nach Skandal in D

Auch in Österreich Handel mit Patientendaten

Web
19.08.2013 16:17
Die Weitergabe sensibler Patientendaten an ein US-Unternehmen sorgt auch in Österreich für große Aufregung. Rund 350 heimische Mediziner sollen Daten über Medikamentenverschreibungen an die Firma IMS Health Inc. verkauft haben. Ins Rollen gebracht wurde der Skandal rund um die Patientendaten durch einen Bericht des deutschen Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", der über einen groß angelegten Handel mit nur teilweise verschlüsselten Patientendaten durch Apotheker schreibt.

Eine Sprecherin von IMS Österreich versicherte, dass die Daten durch ein Drittunternehmen verschlüsselt würden und die Verschlüsselung anders als in Deutschland (siehe dazu Story in der Infobox) vorgenommen werde. Sie betonte auch, dass Rückschlüsse auf die einzelnen Patienten "absolut nicht" möglich wären. Gleichzeitig gestand sie aber auch zu, dass die Daten differenziert würden - nach Altersgruppen und Geschlecht.

Ärztekammer: "Vorgangsweise ist ethisch bedenklich"
Die Ärztekammer reagierte empört. Vizepräsident Karl Forstner erklärte am Montag im Ö1-"Mittagsjournal", wenn die Daten verschlüsselt und nicht gänzlich anonymisiert weitergegeben würden, sei das "nicht rechtskonform". Persönlich hält Forstner die Vorgangsweise dieser Ärzte für "ethisch bedenklich".

Für ihn sei diese Form der wirtschaftlichen Beeinflussung von Ärzten auch unzulässig. "Patienten sollen das bekommen, was sie brauchen, und nicht, was die Pharmaindustrie sich allenfalls wünscht." Die Ärztekammer wolle jedenfalls eruieren, welche Daten genau weitergegeben wurden und inwieweit das rechtskonform sei. Auch kammerintern werde man einen strengen Maßstab anlegen, so der Vizepräsident gegenüber dem ORF-Radio.

Apothekerkammer betont höchste Datenschutzstandards
Die Apothekerkammer und die Pharmazeutische Gehaltskasse versicherten am Montag, dass in Österreich von den beiden Institutionen keine Medikamentendaten an Privatunternehmen weitergegeben würden. Apothekerkammer-Präsident Max Wellan versicherte, dass sich die Apothekerschaft immer für höchste Standards im Datenschutz eingesetzt habe.

"Unsere Patienten und deren Daten sind in den Apotheken sicher und gut aufgehoben." Die Firma IMS Health habe sich in Österreich an strenge datenschutzrechtliche Regeln zu halten. Sie erhalte bei ihren Erhebungen in einzelnen Apotheken ausschließlich produktspezifische Absatzzahlen, aus denen nicht einmal ersichtlich ist, wie viele Kunden, geschweige denn welche Kunden die Apotheke aufsuchen.

Gesundheitsminister Alois Stöger forderte die Ärztekammer auf, die Vorwürfe des Verkaufs von Medikamentendaten der Patienten restlos aufzuklären, wie sein Sprecher erklärte. Gleichzeitig betonte er, dass der Datenschutz oberste Priorität habe.

ÖVP: ELGA-Regelungen eventuell nachschärfen
ÖVP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger meinte, dass man sich auch im Lichte der Bespitzelung des US-Geheimdienstes NSA fragen müsse, ob Österreich in Sachen Datenschutz eine Insel der Seligen sei oder ob man nicht in Bezug auf die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) beim Datenschutz weiter nachschärfen müsse. Der Sprecher Stögers stellte dazu fest, dass ELGA auch in Sachen Datenschutz einen großen Fortschritt bringe, weil jeder Zugriff strengstens protokolliert werde. Man können nachvollziehen, wer wann auf welche ELGA-Daten zugegriffen habe.

"Einer der größten Skandale der Nachkriegszeit"
In Deutschland sprechen unterdessen laut "Spiegel" Beobachter von einem "der größten Datanskandale der Nachkriegszeit". Demnach sollen Millionen Patienten ausgespäht worden sein. Das süddeutsche Apothekenrechenzentrum VSA habe Informationen aus Rezeptverschreibungen unter anderem ebenfalls an IMS zu Marktforschungszwecken verkauft.

Der Handel mit Rezeptinformationen ist grundsätzlich legal, solange die Daten entsprechend anonymisiert werden. Doch Dokumente, die dem deutschen Nachrichtenmagazin vorliegen, belegen, dass diese Verschlüsselung teilweise nicht ausreichend erfolgt sein dürfte und daher Rückschlüsse auf die ausstellenden Ärzte und möglicherweise auch auf Patienten zuließen.

Erste Konsequenzen in Deutschland
Seit dem Auftauchen erster Verdachtsmomente im Vorjahr sind bereits erste Verbesserungen vorgenommen worden. So hat das Norddeutsche Apothekenrechenzentrum seine Datenlieferung an Marktforschungsunternehmen bereits umgestellt.

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