11.07.2013 09:51 |

Imitiert Mädchen

"Virtuelle Lolita" macht Jagd auf Pädophile im Netz

Informatiker der Universität Deusto im spanischen Bilbao haben eine "virtuelle Lolita" entwickelt, die Pädophile im Internet aufspüren soll. Die Software, ein sogenannter Chatbot, gibt sich dafür als 14-jähriges Mädchen aus, um in täuschend echten Gesprächen an Informationen ihres virtuellen Gegenübers zu gelangen.

Das Dialogsystem namens Negobot verhält sich in Foren und Chats zunächst unauffällig und neutral, um Internetnutzer – ob pädophil oder nicht – in allgemeine Gespräche zu verwickeln. Werden diese aufdringlicher und steuern die Konversation in eine eindeutig sexuelle Richtung, ändert der von spanischen Medien als "virtuelle Lolita" bezeichnete Chatbot sein Verhalten, um mehr über sein Gegenüber in Erfahrung zu bringen.

Vielschichtige "Persönlichkeit"
Um besonders echt und überzeugend zu wirken, wurden Negobot zu diesem Zweck insgesamt sieben Kommunikationsmuster einprogrammiert. So kann die Software beispielsweise hartnäckig oder beleidigt sein, um an persönliche Telefonnummern, E-Mail-Adressen oder sonstige Informationen zu gelangen, die zur Identifizierung des Nutzers dienlich sind. Andere Tricks beinhalten das absichtliche Einfügen von Tippfehlern, Abkürzungen oder bestimmten Begriffen, die die typische Ausdrucksweise und das Verhalten eines Teenagers imitieren.

"Chatbots sind in der Regel sehr vorhersehbar", erklärt Dr. Carlos Laorden, einer der Schöpfer von Negobot. "Ihr Verhalten und ihr Interesse an einem Gespräch ist flach, was sehr problematisch bei der Erkennung von nicht vertrauenswürdigen und unseriösen Zielen wie Pädophilen ist." Negobot unterscheide sich von bisherigen Chatbots jedoch dadurch, dass er sich der aus der Mathematik stammenden Spieltheorie bediene, um wesentlich realistischere Konversationen zu ermöglichen.

Vereinfacht ausgedrückt geht es dabei um das Erreichen eines Zieles – in diesem Fall das Aufspüren eines Pädophilen – durch strategische Entscheidungsfindung. Beim Negobot wird dies durch die Verwendung der sieben verschiedenen "Persönlichkeiten" ermöglicht, die das Verhalten des virtuellen Mädchens in Reaktion auf die vermutete pädophile Handlung des Gegenübers bestimmen und verändern.

Virtuelles Erinnerungsvermögen
Bei Tests in Googles Chat-Dienst habe Negobot nicht nur von sich aus an vorherige Diskussionen anknüpfen und bestimmte Themen wieder aufgreifen können, die Software habe in Gesprächen sogar "die Führung übernommen". Trotz des hohen Grades an künstlicher Intelligenz weisen Laorden und sein Team in einem Dossier jedoch darauf hin, dass die sprachlichen Möglichkeiten des Dialogsystems derzeit noch an ihre Grenzen stoßen. So hat Negobot zum Beispiel Probleme bei der Erkennung von Ironie.

Die baskische Polizei soll dessen ungeachtet bereits "großes Interesse" an der Software gezeigt haben, so Laorden. Der Informatiker ist zuversichtlich, seine "virtuelle Lolita" künftig auch in anderen Sprachen und auf anderen Kanälen einzusetzen, um so Polizisten bei ihrer Suche nach Pädophilen zu entlasten. "Wir glauben, es könnte es nützliches Werkzeug für soziale Netzwerke sein", sagte Laorden.

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