Proteste in Türkei

Türkischer Premier Erdogan: ‘Twitter ist neue Bedrohung’

Web
03.06.2013 14:22
Für den von einer massiven Protestwelle bedrängten türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan gibt es eine "neue Bedrohung namens Twitter". "Die besten Beispiele für Lügen können dort gefunden werden. Für mich sind die sozialen Medien die schlimmste Bedrohung der Gesellschaft", sagte Erdogan nach Berichten internationaler Medien. Interessantes Detail: Erdogan selbst hat zwei Accounts bei Twitter und einen bei Facebook.

Tatsächlich haben die Teilnehmer an den Protestkundgebungen in den türkischen Großstädten wie Istanbul, Ankara oder Izmir ihre Aktionen weitgehend über Twitter oder Facebook koordiniert. Die Vertreter von im Parlament vertretenen Oppositionsparteien wurden von den Demonstranten gebeten, ihre Embleme nicht zur Schau zu stellen. Man wolle keiner Partei zugerechnet werden, hieß es.

Berichten des Technikblogs "TechCrunch" zufolge war der Zugang zu Twitter und Facebook in der Türkei am Wochenende auffallend langsam. Manche Beobachter vermuteten deshalb bereits, die türkische Regierung lasse die sozialen Medien aufgrund der Proteste sperren, wie dies 2011 auch der ägyptische Ex-Machthaber Hosni Mubarak versucht hatte. Mittlerweile funktionieren die Websites aber wieder normal.

Türkische Regierung nutzt ebenfalls soziale Netzwerke
Wie das deutsche Nachrichtenmagazin "Spiegel" berichtet, nützt auch Erdogan selbst die sozialen Medien zur Verbreitung regierungsfreundlicher Nachrichten. So habe nicht nur der türkische Präsident Abdulah Gül einen Twitter-Account mit 3,1 Millionen Abonnenten, sondern auch Erdogan selbst. Der habe sogar zwei Twitter-Zugänge – einen in türkischer, einen in arabischer Sprache. Auch eine Facebook-Seite mit zahlreichen Fotos hat Erdogan im Netz.

Auf dem zentralen Taksim-Platz in Istanbul fanden sich seit Beginn der Proteste (siehe Infobox) meist kleinere Gruppen ein, die Fahnen schwenkten. Viele Menschen trugen türkische Flaggen und Bilder von Mustafa Kemal Atatürk, der 1923 die laizistische Republik gegründet hatte. Atatürk gilt als Gegenfigur zu Ministerpräsident Erdogan, dem viele Türken vorwerfen, einen autoritären Führungsstil zu pflegen und die Gesellschaft islamisieren zu wollen.

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