Weltweiter Coup

Cyber-Bankräuber erbeuten 45 Millionen Dollar

Web
10.05.2013 11:36
In einer groß angelegten Cyberattacke haben Bankräuber weltweit insgesamt 45 Millionen Dollar (rund 34 Millionen Euro) erbeutet. Der Coup habe nur "einige Stunden" gedauert, betroffen waren Dutzende Länder, wie das Büro der New Yorker Staatsanwältin Loretta Lynch am Donnerstag mitteilte. Sieben mutmaßliche Mitglieder der New Yorker Zelle der Organisation wurden demnach gefasst und angeklagt. Ein achter Verdächtiger, der mutmaßliche Anführer, fiel nur Tage zuvor in der Dominikanischen Republik einem Mord zum Opfer.

Die Justizbehörden sprachen von einem "massiven Raubzug im Stile des 21. Jahrhunderts", der sich über das Internet und um den Globus gezogen habe. "Statt Pistolen und Masken" habe die Bande Laptops und das Internet genutzt, erklärte Lynch. Dabei sei die Organisation mit "chirurgischer Präzision" vorgegangen.

Die Täter hätten ausgefeilte Techniken genutzt, um in die Computersysteme globaler Finanzfirmen einzudringen, erklärte das Justizministerium. Mehrere Monate lang hackten die Cyberkriminellen die Daten von Prepaid-Kreditkarten, wie sie etwa von Hilfsorganisationen eingesetzt werden. 

Dann hoben sie die Einschränkungen dieser "Prepaid Debit Cards" für das Abheben von Bargeld an Geldautomaten auf. Die gestohlenen Daten wurden auf Magnetkarten geladen, mit deren Hilfe die mit gestohlenen PIN-Nummern ausgestatteten Räuber innerhalb kurzer Zeit Millionen von Dollar abhoben.

Tausende Abhebungen in Dutzenden Ländern
Die Täter schlugen den Angaben zufolge zweimal zu. Im Dezember 2012 waren Guthabenkarten der Kreditkartenfirma MasterCard betroffen, die von der National Bank of Ras Al-Khaimah PSC (Rakbank) in den Vereinigten Arabischen Emiraten ausgegeben wurden. Nach der Manipulation der Kartendaten gab es damit 4.500 Abhebungen an Automaten in etwa 20 Ländern. Der zweite Angriff erfolgte im Februar mit Guthabenkarten von MasterCard, die von der Bank of Muscat in Oman ausgegeben waren. In diesem Fall kam es zu 36.000 Abhebungen in 24 Ländern.

Die New Yorker Zelle machte sich nach ihrem Beutezug schnell ans Geldwaschen: Laut Anklageschrift eröffnete sie ein Konto bei einer Bank in Miami und kaufte Luxuslimousinen sowie unter anderem zwei Rolex-Uhren. 

Bankomaten in Manhattan geplündert
Die jetzt verhafteten Personen kommen alle aus Yonkers im US-Staat New York. Die erste Festnahme gab es bereits am 27. März, als vorerst letzte wurden zwei Verdächtige am Mittwoch verhaftet. Allein die New Yorker Zelle soll innerhalb von wenigen Stunden 2,8 Millionen Dollar an Bargeld erbeutet haben - an einigen Hundert Geldautomaten im New Yorker Stadtteil Manhattan. "Die Organisation bahnte sich einen Weg von den Computersystemen internationaler Konzerne auf die Straßen von New York", erklärte Lynch.

An dem Schlag gegen die New Yorker Zelle war der Secret Service beteiligt, der dem Ministerium für Innere Sicherheit untersteht. Neue Technologien und das rapide Wachstum der Internetnutzung hätten die bisherigen Grenzen der Finanzkriminalität eingerissen, sagte ein Beamter des Secret Service. Die Zerschlagung der Zelle zeige aber auch, dass die Ermittlungsbehörden in zahlreichen Ländern sich inzwischen darauf eingestellt hätten. Welche anderen Staaten von dem Beutezug betroffen waren, erklärten die US-Behörden jedoch zunächst nicht.

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