Heute wird es ernst. Ab 16 Uhr, wenn die erste Hochrechnung veröffentlicht wird, sollten wir wissen, wem die Steirer diesmal ihre Stimme gegeben haben. Am wahrscheinlichsten: die Blauen in der Grünen Mark erstmals seit 1945 auf Platz 1. Spannend wie das heutige Ergebnis werden auch die Tage danach, die entscheiden, wie es hierzulande weitergeht.
Was passiert, wenn die ÖVP ihr schwarzes Kernland Steiermark verliert? Das fragen sich viele. Doch die Frage ist im Kern falsch: Denn die Steiermark ist nicht ÖVP-Kernland. Selbst in den 1950er-Jahren gab es bereits ein Kopf-an-Kopf-Rennen der ÖVP mit der SPÖ, 1995, auch schon fast 30 Jahre her, trennten die beiden Parteien nur wenige Stimmen, ehe die SPÖ 2005 Platz 1 eroberte und das zweimal wiederholte. Das Land für die ÖVP zurückzuerobern - das gelang erst Hermann Schützenhöfer mit Kurz-Rückenwind vor fünf Jahren.
Heute dürfte es wieder einmal verloren gehen. Platz 1, das scheint fix, ist dahin. Der Landeshauptmann deshalb noch lange nicht. Denn auch wenn manche Mario Kunasek mehr Ähnlichkeit zu Hermann Schützenhöfer als zu seinem Bundesparteiobmann Herbert Kickl nachsagen wollen – der steirische FPÖ-Chef wird sich nicht viel leichter tun, einen Koalitionspartner zu finden, der ihn zum Landeshauptmann macht. Eine Chance für die steirische FPÖ wäre, wenn sie – was Mario Kunasek noch als absurde Variante abtut -, tatsächlich Anton Lang in einer Teilungsvariante den Landeshauptmann für ein, eineinhalb Jahre überließe.
Das wäre für die Volkspartei im Land eine Kernspaltung – denn zumindest mitregiert hat sie seit 1945.
Was wird heute entscheiden? Weniger das Stainacher Leitspital oder die dritte Pyhrn-Spur. Auch nicht allein die Sympathie oder Antipathie gegenüber der ÖVP mit Drexler, der FPÖ mit Kunasek und der SPÖ mit Lang.
Entscheiden wird die Stimmung. Die Stimmung gegenüber der Politik im Allgemeinen, stark beeinflusst von jener gegenüber der Bundespolitik. Im Kern beschäftigen die Steirer wie zuletzt die Amerikaner wie die Österreicher insgesamt vorrangig zwei Themenblöcke: Migration und Integration sowie Wohlstandsverlust und Abstiegsangst. Heute werden die Steirer ihre Stimme jenen geben, denen sie glauben oder zumindest glauben wollen.
Kern der Sache: Wem vertrauen wir? Dem geben wir die Stimme!
Einen schönen Wahlsonntag!
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