Soziale Suche

Facebook greift Google mit neuer Suchfunktion an

Web
16.01.2013 08:38
Facebook macht es einfacher, die vielen Informationen seiner mehr als einer Milliarde Nutzer zu durchstöbern. Gründer Mark Zuckerberg stellte am Dienstag im kalifornischen Menlo Park eine neue Suchfunktion vor. Anstelle der regulären Internetsuche solle diese Funktion Antworten auf spezielle Fragen liefern, sagte der Chef des weltgrößten sozialen Netzwerks. Als Beispiel für Anfragen nannte er "Fernsehserien, die meinen Freunden gefallen" und "Fotos meiner Freunde aus 2009".

"Wir sehen Facebook als große soziale Datenbank", sagte Zuckerberg. "Wie bei jeder Datenbank sollte es möglich sein, sie zu durchsuchen." Bei den Ergebnissen sollen die Privatsphäre-Einstellungen der Nutzer berücksichtigt werden. Es würden nur Ergebnisse angezeigt, die entweder als "öffentlich" markiert oder mit dem jeweils Suchenden geteilt wurden. Somit sollen Nutzer nur die Ergebnisse sehen, die sie bereits an anderer Stelle in ihrem Facebook-Netzwerk auffinden könnten. Zunächst können Informationen über Kontakte, Fotos, Orte und Interessen gesucht werden, weitere Kategorien sollen später folgen.

Microsoft-Suchmaschine Bing als Partner
Es sei "ein neuer Weg für Menschen, Informationen auf Facebook zu finden", erklärte Zuckerberg. Um die Funktion zu nutzen, geben Nutzer ihre Suchanfrage in einen größeren Suchschlitz am oberen Ende der Facebook-Website ein. Die Antworten werden dann aus den Informationen von Freunden und Facebook-Kontakten herausgefiltert, erklärte Zuckerberg. 

Anfragen können auch kombiniert werden, beispielsweise um Freunde zu finden, die in einer bestimmten Stadt leben. Für Suchanfragen außerhalb der Facebook-Welt (zum Beispiel "das neue Album von Rihanna") gibt es eine Partnerschaft mit der Microsoft-Suchmaschine Bing. Facebook tritt damit in Konkurrenz zu Google.

Neue Suchfunktion zunächst nur für die USA
An der Funktion werde noch herumgeschraubt, sagte Zuckerberg. Sie steht daher vorerst nur wenigen englischsprachigen Nutzern aus den USA zur Verfügung. Nach und nach soll sie für weitere Nutzer freigeschaltet werden.

Suche nach Einnahmequellen
Facebook war im Mai vergangenen Jahres an die Börse gegangen und sucht seitdem verstärkt nach Möglichkeiten, mit seinem Netzwerk Geld zu verdienen. Suchmöglichkeiten nach Filmen oder Restaurants, die die eigenen Kontakte empfehlen, könnten auch für Werbekunden interessant sein. Die Börsianer hatten jedoch offenbar mehr erwartet: Facebooks Aktien kosteten gegen Ende der Präsentation mit 30,94 Dollar praktisch genauso viel wie davor.

Datenschützer warnen schon jetzt vor Facebook-Suche
Der Datenschutzbeauftragte von Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, hat die neue Suchfunktion des sozialen Netzwerks Facebook schon jetzt massiv kritisiert. "Ich finde das überhaupt nicht toll", sagt er. Die erweiterte Suche führe dazu, "dass völlig unkalkulierbar auf einmal Daten ausgewertet werden".

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hatte während der Produktankündigung betont, dass bei der Suche die Einstellungen zum Schutz der Privatsphäre berücksichtigt würden. Nutzer bekämen nur die Ergebnisse angezeigt, die sie auch so innerhalb ihres Netzwerkes aufstöbern könnten.

Weiterer Eingriff in Privatsphäre der Nutzer befürchtet
Diese Zusage reicht Weichert jedoch nicht: "Die Suchfunktion, die wir vom Internet kennen, wird jetzt in den Freundeskreis hineingezogen, mit der Folge, dass hochsensible Informationen auch Dritten zur Kenntnis gelangen", sagt der Facebook-Kritiker. Informationen, die möglicherweise nur für bestimmte Freunde gedacht waren, würden im Nachhinein auffindbar. "Hier wird definitiv ein weiterer Eingriff ins Datenschutzrecht vorgenommen, der meines Erachtens nicht akzeptabel ist", sagt Weichert.

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