Paukenschlag! Alle 55 UEFA-Mitgliedsverbände haben dafür gestimmt, einen Boykott der Weltmeisterschaft bei Männern und Frauen zu unterstützen, falls FIFA-Boss Gianni Infantino seine Privatisierungspläne weiter vorantreibt. Das gab Europas Fußball-Verband nach einem virtuellen Dringlichkeitsmeeting am Donnerstag bekannt.
„Als Konsequenz der heutigen Beratungen werden keine UEFA-Nationalmannschaften an FIFA-Wettbewerben teilnehmen, solange diese Pläne weiterverfolgt werden – es sei denn, der Vorschlag wird vollständig zurückgezogen und die FIFA gibt verbindliche Garantien ab, dass sie ihre Führungsstrukturen oder Wettbewerbe niemals wieder für privates Eigentum öffnen wird“, heißt es in dem von allen nationalen Verbänden unterzeichneten UEFA-Schreiben.
Hier das offizielle Statement der UEFA:
„Ein solcher Moment ist jetzt“
Und es wird sogar noch deutlicher: „Die UEFA und ihre Mitgliedsverbände werden diese Pläne mit aller Entschlossenheit bekämpfen. Es gibt Momente, in denen Institutionen nicht danach beurteilt werden, was sie zu akzeptieren bereit sind, sondern danach, worauf sie sich niemals einlassen. Ein solcher Moment ist jetzt. Manche Dinge sind schlicht zu wichtig, um sie zu verkaufen. Die FIFA-Weltmeisterschaft gehört dem Fußball. Sie hat ihm immer gehört – und sie wird ihm immer gehören. Solange Europa eine Stimme hat, wird sie niemals zum Verkauf stehen.“
Europas Dachverband stellt klar: Selbst wenn unter den 211 Mitgliedsstaaten eine Mehrheit für den Investorendeal votieren sollte, werde man diesen Beschluss nicht mittragen.
Infantino unter Druck
Infantino, dessen Verband die überraschenden Pläne am Dienstag enthüllt hatte, gerät damit ordentlich unter Druck. Ohne die Europäer um Weltmeister Spanien, England, Frankreich und Deutschland würde die WM ihren sportlichen Wert komplett einbüßen. Ungeachtet harscher Kritik an den Investorenplänen hatte Infantino in einer am Donnerstag veröffentlichten Videobotschaft den geplanten Einstieg externer Geldgeber als „einmalige Chance, die weltweite Entwicklung des Fußballs deutlich zu beschleunigen“, gerechtfertigt. Kritiker werfen ihm vor, vor allem seinen persönlichen Profit und den von Geschäftspartnern im Auge zu haben.
Infantino reagierte mit dem Video auf den Sturm der Entrüstung, den er mit seinen Gedankenspielen selbst losgetreten hatte. Er konterte die Anschuldigungen und bezeichnete die Investoren-Pläne in der Videobotschaft zunächst als Vorschlag, der „Teil eines demokratischen Prozesses“ sei. Schließlich müssten eine Mehrheit der 211 Mitgliedsverbände der FIFA sowie das FIFA Council überhaupt erst zustimmen. Allerdings scheint schon jetzt klar, dass es abseits der Ablehnung aus Europa, die auch der ÖFB mitträgt, gerade bei kleineren Mitgliedsstaaten Zustimmung für die Idee geben dürfte, weil sie schlicht auf einen deutlichen Anstieg der Einnahmen hoffen.

Es geht um viel Geld
FIFA-Boss Infantino hat gut eine Woche nach dem WM-Finale in den USA wissen lassen, mit dem potenziellen Verkauf eines Teils seiner kommerziellen Rechte etwa an der WM Milliarden einspielen zu wollen. Nach bisherigen Informationen soll die FIFA dadurch Einnahmen von mehr als vier Milliarden US-Dollar (rund 3,5 Milliarden Euro) erzielen, wovon auch die teilhabenden Verbände profitieren sollten.
Solche Beteuerungen nehmen ihm viele Kritiker jedoch nicht ab. Nicht einmal zwei Wochen nach dem WM-Finale in den USA sehen sie ihre Befürchtungen genährt, dass die FIFA durch den Verkauf eines Teils ihrer kommerziellen Rechte an Wettbewerben den Sport endgültig zum Spielball von Investoren verkommen lässt. Die Logik dahinter: Noch mehr Turniere mit noch mehr Teams und Spielen würden Umsatz und Erlöse steigern, womit auch der Wert der zuvor veräußerten Beteiligungen wüchse.
Gemäß dem vorgeschlagenen Deal sollen private Geldgeber rund 20 Prozent der Anteile an einem neu zu gründenden Tochterunternehmen namens FFE (FIFA Forward Enterprise) erwerben können, dessen Wert zunächst auf 20 Milliarden Dollar festgelegt ist. Im FFE würden die kommerziellen Rechte an den FIFA-Wettbewerben wie der Männer- und Frauen-WM sowie der Club-WM gebündelt. Mit diesem Schachzug könnte Infantino zudem nach einer weiteren Periode als Präsident zum Geschäftsführer des neuen Unternehmens werden und so nach 15 Jahren Amtszeit weiter mächtig im FIFA-Kosmos wirken.
Der natürliche nächste Schritt?
Der Schweizer stellte in Aussicht, dass mit Investorenhilfe und über das „FIFA-Fast-Forward-Programm“ jeder Mitgliedsverband seine Einnahmen vervielfachen könne. Nachdem die FIFA im vergangenen Jahrzehnt unter anderem ihre Wettbewerbe grundlegend verändert habe, müsse nun auch finanziell nachgelegt werden, appellierte Infantino: „Die Stärkung der kommerziellen Seite des Fußballs ist der natürliche nächste Schritt dieser Entwicklung.“
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