SAP "enttäuscht"

Oracle streitet mit SAP weiter wegen Datenklau

Digital
04.09.2012 09:57
Der deutsche Software-Primus SAP muss weiterkämpfen: Der US-Erzrivale Oracle hat eine neue Runde in dem seit fünf Jahren laufenden Rechtsstreit um gestohlene Software eingeläutet. Statt ein Urteil mit einer Wiedergutmachung von 306 Millionen Dollar (243 Millionen Euro) zu akzeptieren und damit einen Schlussstrich unter das Verfahren zu ziehen, hat Oracle Berufung eingelegt. Das bedeutet, dass sich die beiden Parteien vor der nächsten Instanz wiedersehen.

"Wir sind enttäuscht, dass Oracle diesen Rechtsstreit weiter hinauszieht", sagte ein SAP-Sprecher am Montag und bestätigte damit einen Bericht des "Mannheimer Morgens". "Wir hatten uns auf eine vernünftige Regelung geeinigt, denn wir glauben, dass dieser Fall schon lange genug andauert." SAP wolle nach wie vor den Rechtsstreit abschließen.

Der Konzern hat die Verfehlungen eingestanden und sich öffentlich entschuldigt: Mitarbeiter der 2005 übernommenen und mittlerweile geschlossenen SAP-Tochterfirma TomorrowNow hatten im großem Stil unrechtmäßig Updates bei Oracle heruntergeladen. Die Staatsanwaltschaft von San Francisco kam bei ihren Ermittlungen auf mindestens 6.249 Fälle und brummte SAP eine Strafe von 20 Millionen Dollar auf. Parallel dazu läuft seit 2007 die zivilrechtliche Klage von Oracle.

Kampf um Schadenersatzzahlungen
Eine Geschworenen-Jury hatte Oracle zunächst einen Schadenersatz von 1,3 Milliarden Dollar zugesprochen; eine Richterin kritisierte die Summe aber als "extrem übertrieben" und reduzierte sie auf 272 Millionen Dollar. Oracle wollte sich das nicht bieten lassen. Um ein langwieriges und durch die hohen US-Anwaltshonorare auch teures neues Verfahren abzuwenden, bot SAP die Zahlung von 306 Millionen Dollar an. Oracle willigte in den Vergleich ein. Die zuständige Richterin Phyllis Hamilton gab ebenfalls ihren Segen.

Oracle entschied sich letztlich dennoch für die Berufung. "Der Vergleich über die 306 Millionen Dollar bleibt auch in der nächsten Instanz bestehen", sagte ein SAP-Sprecher. Diese Summe ist demnach der Mindestbetrag, den SAP an Oracle überweisen wird, selbst wenn nun eine geringere Schadenssumme festgestellt werden sollte. SAP hatte seinem Rivalen bereits Verfahrenskosten in Höhe von 120 Millionen Dollar ersetzt.

Unternehmen seit Langem spinnefeind
Die beiden Unternehmen sind sich spinnefeind, nicht erst seit dem Datenklau. SAP ist der Weltmarktführer für Unternehmenssoftware. Damit regeln Firmen etwa die Buchhaltung oder die Kundenverwaltung. Oracle ist führend bei Datenbanken, drängt aber immer mehr in das angestammte Feld von SAP. Der für seine markigen Sprüche bekannte Oracle-Chef Larry Ellison gab in den vergangenen Jahren Dutzende Milliarden Dollar für Zukäufe aus.

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