Studie zu E-Scootern

So ließe sich das Verletzungsrisiko verringern

Elektronik
19.10.2023 07:56
Porträt von krone.at
Von krone.at

E-Scooter sind ein beliebtes Fortbewegungsmittel. Mit der Zahl der Nutzer ist in den vergangenen Jahren allerdings auch die Zahl der Unfälle deutlich gestiegen. 2022 wurden laut Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) rund 3600 E-Scooter-Fahrer österreichweit in Krankenhäusern behandelt. Forschende der TU Graz haben daher nun anhand virtueller Menschenmodelle untersucht, wie sich das Verletzungsrisiko beim E-Scooter-Fahren verringern ließe.

Um die Verletzungen bei Unfällen zu prognostizieren, wurden 31 Freiwillige - 16 Männer und 15 Frauen - für das Forschungsprojekt herangezogen. Diese befuhren den Campus der TU mit E-Scootern, damit man mittels Verkehrsbeobachtungskameras beispielsweise die Geschwindigkeiten auswerten konnte, erklärte Projektleiter Christoph Leo. In einem weiteren Schritt untersuchte man die Fahrposen - also wie die Probandinnen und Probanden am E-Scooter stehen - im Labor durch Motion Capture. Dadurch zeigte sich beispielsweise, dass bei Männern und Frauen die häufigste Pose, nämlich der rechte Fuß vor dem linken, gleich sei, aber die zweit- oder dritthäufigste Fahrpose bei den Geschlechtern variiere.

Diese Auswertung wurde dann mit virtuellen Menschenmodellen kombiniert, die gemeinsam mit analysierten Unfallaufzeichnungen in eine Simulationsmatrix flossen. Dadurch konnten verschiedene Parameter, zum Beispiel Unterschiede zwischen Mann und Frau, zwischen dem Tragen oder Nichttragen eines Helms oder der Kollisionsgeschwindigkeit, ausgetestet werden, führte der Mitarbeiter vom Institut für Fahrzeugsicherheit aus. Nicht berücksichtigt wurden bei den Simulationen beispielsweise die Ausstattung von E-Scootern mit zweiter Bremse oder Blinker oder auch - abgesehen vom Helm - das Tragen von Schützern, obwohl das „natürlich interessant wäre“, sagte der Wissenschaftler. Ein Folgeprojekt sei aber aktuell nicht geplant.

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Zu Fuß oder mit dem Fahrrad ist man im Straßenverkehr sicherer unterwegs und tut sich selbst sowie der Umwelt etwas Gutes. Wer wirklich mit dem E-Scooter fahren muss, sollte bitte zumindest einen Helm aufsetzen.

Projektleiter Christoph Leo

Helm und weniger Tempo am E-Scooter verringern Verletzungsrisiko
Wie bei anderen einspurigen Fortbewegungsmitteln ergab die Untersuchung, dass auch beim Lenken eines E-Scooters ein Helm das Risiko von Kopfverletzungen stark reduziert - in diesem Fall um bis zu 44 Prozent. Zudem zeigte sich, dass ein Fahrverbot für E-Scooter auf Gehsteigen und Gehwegen durchaus sinnvoll ist. Denn die Simulationen ergaben, dass Zusammenstöße mit Fußgängern häufig schwere Verletzungen zur Folge haben. Neben dem Verbot würde hier bereits eine Begrenzung der Geschwindigkeit mehr Sicherheit bringen - das gleiche gilt übrigens auch bei Alleinunfällen. So sinkt das Kopfverletzungsrisiko für beteiligte Fußgänger bei einer Reduktion der Kollisionsgeschwindigkeit von 25 km/h auf 15 km/h um bis zu 49 Prozent.

„Risiken unterschätzt“
„Weil E-Scooter eine sehr junge Mobilitätsform sind, haben wir in diesem Projekt Neuland betreten, um die Verletzungsrisiken bei E-Scooter-Unfällen analysieren zu können. Es gab bisher noch keine wirklichen Untersuchungen dazu“, erklärt Leo. „Nach der Analyse der simulierten Unfälle mit den virtuellen Menschenmodellen hat sich aber ein sehr klares Bild ergeben: Das Tragen eines Helmes und die Reduzierung der eigenen Geschwindigkeit, besonders in der Nähe von Passanten, kann bereits viele schwere Verletzungen vermeiden.“

Wichtiger wäre es jedoch, dass E-Scooter das Fahrverbot auf Gehsteigen und Gehwegen einhalten, so Leo. „Allgemein scheinen die Risiken dieser Mobilitätsform unterschätzt zu werden, darum ist in den nächsten Jahren weiterhin eine steigende Zahl an Verletzungen zu erwarten. Zu Fuß oder mit dem Fahrrad ist man im Straßenverkehr sicherer unterwegs und tut sich selbst sowie der Umwelt etwas Gutes. Wer wirklich mit dem E-Scooter fahren muss, sollte bitte zumindest einen Helm aufsetzen.“

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