Da Notfall, dort nicht

Wiener Klinik behandelte Frau aus NÖ viel besser

Niederösterreich
22.04.2026 06:00

„Warum sind’s überhaupt nach St. Pölten gekommen?“, musste sich eine Waldviertler Krankenschwester in Pension anhören. Als Notfall wurde sie in Wien viel besser behandelt.

Bestens versorgt wurde die Waldviertlerin (69) nach einem Sturz an der Klinik Horn, wo sie mit Hirnblutung stationär aufgenommen wurde. Nach etwa zehn Tagen wurde sie entlassen. Weil eine weite Reise bevorstand und sich ihr Gesundheitszustand verschlechterte, ging die ehemalige Krankenschwester zum Hausarzt, der sie zum MRT schickte.

Die Hirnblutung hatte sich bereits zu den bisherigen Diagnosen deutlich verschlimmert. „Weil Horn aber keine Neurochirurgie hat, bin ich gleich nach St. Pölten gefahren“, schildert die Frau, die in Zeiten der Zentralisierung und Bündelung der Spitalsstandorte in Niederösterreich mit ihrem Ehemann an der Uni-Klinik ihr blaues Wunder erlebte: Unfreundlich behandelt, musste sie sich dafür rechtfertigen, warum sie überhaupt aus dem Waldviertel angereist war. 

Zwischen Ambulanzen hin- und hergeschickt
Nach ihrer Erklärung, dass St. Pölten für ihre Diagnose besser und qualifizierter mit der Neurochirurgie-Abteilung eingreifen könne, erntete die ehemalige Krankenschwester ein „Was sie wollen, interessiert hier niemanden. Das wird ihnen der Arzt erklären“ von der Stationssekretärin. Weil die Frau eben hartnäckig auf den Facharzt bestand.

Dann sah sich ein Doktor mit sarkastischem Ton die Bilder an: „Was ist denn so Dringliches passiert, dass sie gleich mit Blaulicht hier anreisen?“ Und später ohne Empathie: „Entweder wir operieren sofort oder sie fahren zur Beobachtung wieder heim.“ Die Frau fühlte sich mehr als unbehaglich, von diesem Mediziner operiert zu werden.

Nach sechs Stunden kam die Frau erschöpft wieder heim, um am nächsten Tag nach drängendem Anraten einer Freundin nach Wien in die Klinik Landstraße (vormals Rudolfsstiftung) zu fahren. Dort wurde sie – im Gegensatz zu St. Pölten und trotz Gastpatientenstreit – professionell aufgenommen, untersucht und für die OP am nächsten Tag vorbereitet, welche höchst dringlich war, um keine Langzeitschäden zu riskieren. „Ich bin Niederösterreicherin. Das spielte aber für das schnelle, hochkompetente Eingreifen des Wiener Gesundheitspersonals keine Rolle“, zeigt sie sich sehr dankbar und gleichzeitig verärgert über die Uniklinik St. Pölten.

Zitat Icon

Wir nehmen die Rückmeldung ernst und werden den Vorfall intern aufarbeiten.

St. Pöltens Neurochirurgie-Chef Christian Dorfer

Hatte Waldviertlerin in St. Pölten keine Priorität?
Von der Landesgesundheitsagentur (LGA) heißt es, dass „nach klaren medizinischen Prioritäten gearbeitet“ werde. Daher sei es wichtig, davor Notruf 144 oder die Gesundheitshotline 1450 zu kontaktieren. „So wird die richtige Behandlung am richtigen Ort sichergestellt.“ In der Uni-Klinik St. Pölten hätte sich kein „akuter neurologischer Handlungsbedarf“ gezeigt. Die Entscheidung, ob operiert werde, werde für jeden Patienten einzeln getroffen.

„Behandlung nach medizinischer Dringlichkeit“
„Verläufe können sich dynamisch verändern, sodass zu unterschiedlichen Zeitpunkten unterschiedliche Maßnahmen notwendig sind“, erklärt St. Pöltens Neurochirurgie-Chef Christian Dorfer. Klare Verschlechterungen des Befindens seien aber mit den Befunden nachvollziehbar gewesen. Und in Wien war der Fall 24 Stunden später doch ein Notfall. Die Uniklinik: „Wir nehmen die Rückmeldung ernst und werden den Vorfall intern aufarbeiten. Alle Patienten werden unabhängig vom Wohnort, der regionalen Herkunft und nach medizinischer Dringlichkeit behandelt.“

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