Pünktlich zu ihrem Geburtstag am 24. April setzt R&B-Sängerin Kehlani mit ihrem neuen Werk „Kehlani“ ein klares Zeichen: Sie zeigt sich so persönlich wie selten zuvor. Trotz hochkarätiger Features wie Usher, Missy Elliott oder Brandy bleibt das fünfte Album aber eher ein ruhiges, emotionales Statement. Wir konnten bereits vorab reinhören ...
Mit ihrem selbstbetitelten fünften Studioalbum setzt R&B-Sängerin Kehlani ein bewusst ruhiges, aber umso eindringlicheres Statement. „Kehlani“, erscheint am 24. April – passend zu ihrem Geburtstag – und wirkt wie ein persönlicher Marker: ein Album, das weniger erklären will, sondern fühlen lässt. Die 31-Jährige, die nicht nur als Musikerin, sondern auch als Mutter, queere Künstlerin und Stimme für mentale Gesundheit bekannt ist, zeigt sich hier reflektierter denn je.
Seit ihrem Durchbruch mit dem Mixtape „You Should Be Here“ hat sich Kehlani hörbar weiterentwickelt. Während ihre frühen Songs oft noch zwischen jugendlicher Leichtigkeit und Herzschmerz pendelten, wirkt ihr Sound heute kontrollierter, bewusster – und emotional klarer. Diese Entwicklung spiegelt sich auch auf der neuen Platte wider.
Alle Musik-Ikonen auf einer Platte
Schon das Intro gibt die Richtung vor: kein klassischer Song, sondern ein gesprochener Monolog über Wachstum, Brüche und Heilung. Die Worte wirken roh und ehrlich, fast wie ein Blick ins Innerste. „Growth Doesn´t Always Sound Pretty At First, Sometimes It Cracks. Sometimes It Bends But It Always Find His Way To The Light“, erklärt sie. Dieses Gefühl zieht sich durch das gesamte Album – ein musikalisches Selbstporträt durch und durch, getragen von Selbstbewusstsein und emotionaler Offenheit.
Soundtechnisch bleibt „Kehlani“ ein echtes R&B-Album. Nach dem experimentelleren Vorgänger „Crash“, rückt sie wieder näher an den Kern ihres Klangs. Die Produktion ist bewusst reduziert gehalten und lässt ihrer markanten Stimme Raum. Als Executive Producer fungiert Khris Riddick-Tynes, der bereits mit Künstlern wie Ariana Grande, SZA, Babyface oder Drake gearbeitet hat. Beim Album selbst überrascht nicht nur die intime Herangehensweise, sondern auch die hochkarätige Besetzung. Kehlani holt sich die interessantesten und besten R&B- und Rap-Ikonen der Musikindustrie. Neben Größen wie Missy Elliott, Usher und Brandy finden sich auch Namen wie T-Pain, Cardi B Clipse oder Lil Jon auf dem Album. Trotz dieser Dichte an Superstars bleibt Kehlani konsequent bei sich. Stellenweise wirkt das Album bewusst zurückhaltend – fast so, als würde sie dann doch nicht alles preisgeben wollen, sondern vieles nur andeuten.
Zwei Grammys einkassiert
Ein absolutes Highlight ist „Anotha Luva“, der zweite Track von „Kehlani“. Was soll man sagen, der Track ist mit Hip-Hop-Ikone Lil Wayne und hört sich sehr nostalgisch an. Der Song erinnert nämlich an klassischen 2000er-R&B und lebt von seiner ruhigen, fast schwebenden Atmosphäre. Inhaltlich dreht sich alles um eine vergangene Liebe, die sich nicht abschütteln lässt – ein Gefühl, das sich klanglich widerspiegelt.
Mit dem nächsten Banger „Folded“ liefert die aus Oakland stammende Musikerin den prägendsten Moment des Albums, denn dieses Lied brachte ihr gleich zwei Grammys – einen für den besten R&B-Song und einen für die beste R&B-Perfomance. Im Video tanzt sie im silberfarbenen Body zwischen Tänzern und liefert eine klare, reduzierte Performance. „So Can You Come Pick Up Your Clothes? I have them Folded. Meet Me At The Door While it‘s Still Open“, der Track unterstreicht ihre Stellung im modernen R&B.
Zwischen Nostalgie und Gefühlen
Mehr Energie bringt dann „Back and Forth“ mit der Queen of Rap Missy Elliott. Der Track lebt vom spielerischen Austausch und sorgt für einen kurzen Kontrast innerhalb des ansonsten ruhigen Albums. Der Beat ist schneller, bleibt aber entspannt und überfordert nie. Über „Misssseeeyyy“ braucht man nicht viel sagen, man fühlt sich richtig zeitversetzt wenn man die Rhymes der heute 54-Jährigen hört.
Auch „Shoulda Never“ mit Superstar Usher fügt sich nahtlos ein. Stimmlich harmonieren beide perfekt, und der Song erinnert stellenweise an Klassiker wie „My Boo“ mit Soul-Diva Alicia Keys. Man sieht das Musikvideo beim Hören fast schon vor sich ...
Besonders deutlich wird die emotionale Tiefe bei „Out the Window“. Hier zeigt sich, warum das Album als intim wahrgenommen werden kann: Kehlani singt offen über eigene Fehler, verlorenes Vertrauen und den Wunsch nach einer zweiten Chance. Zeilen über Reue und Selbstreflexion geben dem Song eine persönliche Note und machen die Gefühle greifbar. Auch Themen wie Heilung und emotionale Verarbeitung, über die sie immer wieder spricht, ziehen sich durch das neue Werk.
Die ruhigeren Songs dominieren insgesamt. „I Need You“ mit Brandy setzt auf minimale Instrumentierung, wodurch die Stimmen klar im Vordergrund stehen. Gerade in dieser Reduktion entfaltet sich die Stärke beider Künstlerinnen: ruhig, präzise und emotional getragen. Dass Brandy ebenfalls zu den wertvollsten R&B-Stimmen ihrer Generation zählt, wird hier einmal mehr deutlich. Erst kürzlich wurde die „The Boy Is Mine“-Interpretin mit einem Stern auf dem Walk of Fame geehrt – ein Meilenstein, den auch Kehlani unterstützend begleitete. Umso stimmiger wirkt dieses Duett, das zwei Generationen des R&B auf natürliche Weise zusammenführt.
Fazit: Insgesamt ist „Kehlani“ ein sehr geschlossenes, melodisches Werk, das bewusst auf große Ausbrüche verzichtet und stattdessen auf Atmosphäre setzt. Genau darin liegt aber auch seine Stärke: Die Tracks wirken glaubwürdig, weil sie auf klaren Emotionen und persönlichen Themen basieren. Gleichzeitig fehlt stellenweise ein Moment, der das Tempo anzieht und für mehr Dynamik sorgt. Gerade im Vergleich zu früheren Projekten hätte ein schnellerer, energiegeladener Track dem Album gutgetan. Am Ende bleibt ein ruhiges, ehrliches Album, das weniger auf große Hits abzielt, sondern auf Gefühl. Ein Werk, das nicht laut sein muss, um zu wirken – sondern gerade durch seine Zurückhaltung und seiner Echtheit überzeugt.
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