Es sei zu Verzögerungen im Mail-Verkehr gekommen, sagte ein Mitarbeiter der Verwaltung. Die IT-Technik habe schließlich "aus gegebenem Anlass" gemahnt, dass der E-Mail-Verteiler des Bundestags ausschließlich für dienstliche Zwecke genutzt werden dürfe.
Den Schlamassel verursacht hat Babette Schulz, Wahlkreis-Mitarbeiterin der grünen Bundestagsabgeordneten Sylvia Kotting-Uhl aus Karlsruhe. "Es ist halt passiert", sagte Schulz leicht geknickt. Eigentlich wollte sie nur Kollegen in der Fraktion bitten, ihr ein neu erschienenes Bundestagshandbuch, den "Kürschner", mitzubringen.
Parlamentarier nahmen Mail-Lawine mit Humor
Nach dem ersten Schrecken habe sie noch auf E-Mails dazu geantwortet. "Als dann die Mail-Lawine ihre skurrile Eigendynamik entwickelte, wurde mir das etwas unheimlich - bis die überwiegend netten und humorvollen Mails auch mich sehr zum Lachen brachten." Viele hätten ihr auch parteiübergreifend Verständnis bekundet - es habe sogar den Vorschlag gegeben, sie zur Mitarbeiterin des Monats zu wählen.
Ursprünglich war nach dem Mail von Schulz laut zdf.de fast zwei Stunden lang nichts passiert - bis ein Mitarbeiter der SPD einen Link zu "Goldenen Regeln für schlechte E-Mails" verschickte. Punkt 20 darin lautet: "Versenden Sie Kopien an alle!". Auf diese Nachricht - mit Augenzwinkern - hin brach offenbar das Chaos aus.
Spott und Hohn im Internet
Herzhaft gelacht wurde auch im Internet. Im Kurzmitteilungsdienst Twitter häuften sich die amüsierten Kommentare mit den Hashtags (Schlagwörtern) "Babette" und "Kürschnergate" - gebildet aus Kürschner, dem Bundestagshandbuch, und Watergate, dem Inbegriff peinlicher Pannen. Auf Facebook gibt es nun eine Gruppe namens "Babette war's".
Ein Grünen-Mitarbeiter meinte per Twitter, sein erstes Kind solle Babette heißen. Ein CDU-Mitarbeiter erklärte, er fühle sich wie beim Speeddating - man lerne im Sekundentakt neue Leute kennen. Ein anderer schlug vor, es sollten sich alle um 14 Uhr treffen, um das erbetene Buch abzuholen, ein weiterer startete eine Verlosung für die kreativsten Massen-E-Mails.
Der Hamburger PR-Berater Markus Mayr jedoch schrieb in Anlehnung an ein Jesus-Zitat im Neuen Testament: "Wer nie eine E-Mail an alle geschickt habe, werfe den ersten Stein."
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