Das 24-Stunden-Rennen von Le Mans im Sommer 2009 wird Michael Mallock so schnell wahrscheinlich nicht vergessen. Denn dort hat er, gemeinsam mit ein paar hohen Nissan-Managern, die vielleicht abgedrehteste Idee seiner Karriere als Rennfahrer und Rennstallbesitzer ausgeknobelt. "Wenn wir schon ein so verrücktes Auto wie den Juke auf den Markt bringen, warum machen wir dann nicht mal etwas richtig Verrücktes damit?" haben sich die beiden Herren gefragt. Erst kamen sie auf einen Dune-Buggy, dann auf ein Drift-Auto, aber mit steigendem Alkoholpegel kristallisierte sich eine ganz andere Vorstellung heraus: "Wir kreuzen den Juke mit dem GT-R", lautete die Botschaft, mit der die beiden am Ende des Abends auseinander gegangen sind.
Als sie am Morgen danach wieder zusammenkamen, hatte die Idee nichts von ihrem Reiz verloren. Zwar hat es dann noch einmal ein paar Monate gedauert, bis das Budget bewilligt, die Bedenkenträger überzeugt und die Pläne final geschmiedet waren – doch vor ungefähr einem Jahr fiel der Startschuss zu dem Projekt, das Mallocks Mannschaft am Ende 22 Wochen schwer in Atem gehalten hat. So lange haben die immer 15 und oft auch 30 Mechaniker gebraucht, bis sie den Triebstrang des riesigen GT-R in den kleinen Juke gequetscht hatten.
Kraftpaket aus Handarbeit
Doch die Mühe hat sich gelohnt: Wo früher ein 1,6-Liter mit ohnehin schon ordentlichen 190 PS säuselte, röhrt jetzt ein V6-Biturbo mit 485 PS, der von einer sechsstufigen Doppelkupplung nur mühsam im Zaum gehalten wird: Ein Gasstoß reicht aus, um den Asphalt zum Kochen zu bringen. Die gewaltigen 20-Zöller, die nur mit Müh’ und Not in die weit ausgestellten Radhäuser passen, krallen sich in den Asphalt und bis zu 588 Newtonmeter katapultieren die Fuhre davon wie eine Kanonenkugel: 3,7 Sekunden von 0 auf 100 – manch echter Sportwagen sieht da ziemlich alt aus. Und mit 257 km/h könnte man auf der Autobahn Angst und Schrecken verbreiten. Diese Idee ist gar nicht so abwegig, räumt Mallock ein: "Denn unser Auto ist homologiert, geprüft und zugelassen: Wir dürften von der Rennstrecke jederzeit raus auf die Straße." Die Kennzeichen haben die Scharfmacher nur für die Fotos, das Gewicht und den cW-Wert abgeschraubt.
Aber der Juke ist nicht nur schnell, er ist auch ungeheuer agil und handlich: Keine zwei Tonnen schwer, kaum mehr als vier Meter lang und mit seinem Heckspoiler tief auf die Straße gepresst, wedelt er mühelos durch die schlimmsten Schikanen. Und dass man in einem Rennwagen plötzlich etwas höher sitzt, ist auch kein Schaden.
Für Michael Mallock war das nicht die erste verrückte Idee, die er für Nissan ausbaden durfte. Schon vor ein paar Jahren hat er einen "Super Micra" gebaut, in den er den V6-Motor des damaligen 350Z gepflanzt hat. "Und es wird wohl nicht das letzte Mal gewesen sein", ist der Rennstallbesitzer überzeugt. Die Reise nach Le Mans jedenfalls hat er schon wieder gebucht.
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