Schlag gegen Hacker

LulzSec-Sprecher von Scotland Yard verhaftet

Web
28.07.2011 12:37
Britische Fahnder haben einen jungen Mann festgenommen, bei dem es sich um den Sprecher der Hacker-Gruppe LulzSec handeln soll. Der 19-Jährige mit dem Internet-Pseudonym "Topiary" werde auch verdächtigt, mit kriminellen Aktivitäten des Hacker-Kollektivs Anonymous in Verbindung zu stehen, teilte Scotland Yard am Mittwochabend in London mit. Die Hacker reagierten am Donnerstag mit der Erklärung: "Man kann keine Idee oder Bewegung festnehmen, die dezentralisiert und ohne Führer ist."

Der Verdächtige wurde in einer Wohnung auf den zu Schottland gehörenden Shetland-Inseln festgenommen. Die Wohnung wurde von den Beamten durchsucht. Danach sei er zur Vernehmung nach London gebracht worden, teilte die Polizei mit. 

Dem 19-Jährigen wird vorgeworfen, an Aktionen beteiligt gewesen zu sein, bei denen Websites großer Unternehmen massenhaft mit Zugriffen überhäuft wurden, sodass sie zusammenbrachen. Ziele solcher Denial-of-Service-Attacken (DDoS) waren seit Dezember vergangenen Jahres mehrere Finanzunternehmen sowie Sicherheitsbehörden und Websites von Regierungen.

"Nur Dummköpfe machen sich Sorgen" 
Zu Spekulationen, wonach die Polizei einen falschen Verdächtigen und nicht "Topiary" festgenommen haben könnte, machte ein Scotland-Yard-Sprecher am Donnerstag keine Angaben. Der Verdächtige sei weiter in Haft, hieß es lediglich. Bereits in der vergangenen Woche sowie im Juni hatte die britische Polizei mutmaßliche Hacker festgenommen. Auch in den USA wurden im Zusammenhang mit der "Operation PayBack" mehrere Beschuldigte verhaftet. "Topiary" hatte noch im Juni gegenüber der amerikanischen Website Gawker.com verkündet, sich keine Sorgen über eine mögliche Verhaftung zu machen: "Nur Dummköpfe machen sich Sorgen", sagte er.

Aufruf zum PayPal-Boykott
Anonymous rief indes seine Sympathisanten am Mittwoch dazu auf, Konten beim Online-Bezahldienst PayPal zu kündigen und dies mit einem Screenshot auf Twitter zu dokumentieren. Wie das Hackerkollektiv über den Kurznachrichtendienst mitteilte, seien bereits mindestens 35.000 PayPal-Konten geschlossen worden. 

Die Ablehnung von PayPal gründet in der Entscheidung des Bezahlservices, das Konto der Enthüllungsplattform WikiLeaks zu schließen. Anonymous hatte daraufhin bereits im Dezember vergangenen Jahres die "Operation Payback" mit DDoS-Attacken auf PayPal sowie auf Mastercard und Visa, die ebenfalls ihre Geschäftsbeziehungen zu WikiLeaks abgebrochen haben, gestartet.

Führungsloses Kollektiv
Die Hackerbewegung hat nach eigenen Angaben keine Führung, keine feste Organisation und keine Zentrale. Weil es keine klar umrissene Führung gibt, wechseln auch die Ziele der Gruppe. Ihre Angehörigen, unter ihnen auch Aktivisten in Österreich, verbinden sich ad hoc zu einzelnen "Operationen". 

Die vermutlich von Anonymous abgespaltene Gruppe LulzSec hatte Ende Juni ihre Auflösung verkündet, sich dann aber mit einem Angriff auf die Londoner Boulevardzeitung "The Sun" zurückgemeldet: Auf der Website der Zeitung verbreiteten sie eine Falschmeldung mit dem Tod des Medienunternehmers Rupert Murdoch, zu dessen Konzern die "Sun" gehört.

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