Viele Betroffene wissen zu wenig über ihre Erkrankung, haben einen hohen Leidensdruck und einen deutlichen Behandlungsbedarf. Dies zeigt eine aktuelle Umfrage des Martkforschungsinstituts Integral anlässlich des Welt-Neurodermitis-Tages am 14. September.
Neurodermitis ist eine chronisch-entzündliche Hautkrankheit, rund 2-5 Prozent der erwachsenen Österreicher sind davon betroffen. Die genauen Gründe dafür sind nicht restlos geklärt - sie reichen von Vererbung bis zu psychischen Faktoren. Bekannt ist jedoch, dass dieser systemischen Erkrankung eine Fehlleitung des Immunsystem zugrunde liegt, die Entzündungen auslöst. Typische Anzeichen wie trockene, gerötete oder entzündete Stellen, begleitet von einem andauernden Juckreiz, treten vor allem an Ellbeugen, Händen, Beinen, am Hals, im Gesicht oder auf der Kopfhaut auf.
Krankheit bestimmt das Leben
Laut einer österreichweiten Online-Umfrage nimmt jeder Zweite die Erkrankungsschübe als sehr belastend war. Zwei Drittel der Befragten mit moderatem bis schwerem Verlauf können wegen des Juckreizes nicht ungestört schlafen. Hinzu kommen oft weitere Krankheiten - von Heuschnupfen bis zu Asthma. Die Krankheit ist ebenso mit Scham, Stigmatisierung und finanziellen Belastungen verbunden.Im Berufsleben kämpfen Betroffene mit großen Hürden. Je nach Schweregrad der Erkrankung gehen 12-32% aufgrund ihrer Neurodermitis zumindest einmal jährlich in den Krankenstand. Bei nahezu einem Viertel beeinflusst die Erkrankung wichtige Lebensentscheidungen wie zum Beispiel die Berufswahl. Zudem fühlten sich 11% der Befragten schon einmal im Job benachteiligt. Viele versuchen nicht aufzufallen. Vier von zehn tragen Kleidung, die viel Haut bedeckt.
Langer Weg zur passenden Therapie
Neurodermitis ist nicht heilbar. „Hinsichtlich der Therapie hat sich jedoch in den vergangenen zwei bis drei Jahren sehr viel getan“, berichtete OA Dr. Christine Bangert, Leiterin der Neurodermitis Sprechstunde an der Universitätshautklinik für Dermatologie, MedUni Wien bei einem Online-Pressegespräch. Die Palette an Behandlungsmöglichkeiten ist mittlerweile sehr umfangreich. Regelmäßige Basispflege für die Haut, aber auch Lichttherapie, Klimatherapie usw. kommen zum Einsatz. Zwei von 100 Teilnehmer erhalten Biologika (therapeutische Antikörper). Moderne Systemtherapien können etwa bei Patient mit mittelschwerer bis schwerer Ausprägung schnell und deutlich den Juckreiz lindern. Ganz neu zugelassen sind die rasch wirkenden Januskinase-Hemmer (JAK-Inhibitoren), die als Tabletten eingenommen werden und entzündungsfördernde Botenstoffe blockieren.
Betroffene brauchen mehr Information
Vielen Patienten fehlt diesbezüglich jedoch die Information. Zwei Drittel der Betroffenen haben den Glauben an ein Leben ohne schmerzhafte oder juckende Haut verloren. Etwa jeder siebte Befragte ist zum Umfragezeitpunkt unbehandelt, darunter auch Betroffene mit mäßigem bis schwerem Verlauf und ein Drittel gibt an, mit dem aktuellen Behandlungsangebot unzufrieden zu sein. Wichtig ist: Mut fassen, sich informieren, aktiv den Arzt nach neuen Therapiemöglichkeiten fragen undvor allem, nicht die Flinte ins Korn zu werfen, wenn die Behandlung nicht gleich den gewünschten Erfolg zeigt.
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