23.06.2021 09:42 |

„Datenschatz“

Ärztekammer: Gesundheitsdaten für Forschung öffnen

Die Ärztekammer spricht sich dafür aus, anonymisierte Gesundheitsdaten verstärkt für die medizinische Forschung zu verknüpfen und auszuwerten, etwa zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. Er appelliere seit dem vergangenen Jahr an den Gesundheitsminister, entsprechende Voraussetzungen dafür zu schaffen, leider erfolglos, kritisierte Kammer-Präsident Thomas Szekeres.

Die Ärztekammer vollzieht damit eine Kehrtwende. Vor nicht allzu langer Zeit - konkret 2018, als das Forschungsorganisationsgesetz beschlossen wurde - wehrte sich die Standesvertretung noch massiv dagegen, dass sensible Gesundheitsdaten etwa aus der elektronischen Gesundheitsakte ELGA an Dritte zu Forschungszwecken weitergegeben werden. Kammer-Vize Johannes Steinhart warnte damals vor dem großen Potenzial für Datenmissbrauch. Auch gegen die ELGA selbst hatte die Kammer lange mobilisiert.

Szekeres sieht das nun anders. Solange bestehende Datenbanken anonymisiert bzw. pseudonymisiert ausgewertet würden, sei dies datenschutzrechtlich unbedenklich, meinte er in der Pressekonferenz. Für ihn überwiegen die Vorteile: So könnte man Medikationsdaten der ELGA bzw. der Sozialversicherung mit Daten zur Schwere von Covid-Infektionen verbinden, um herauszufinden, welche Medikation vor schweren Krankheitsverläufen schützen. Die Verknüpfung von Impf-und Infektionsdaten würde helfen, sogenannte „Impfdurchbrüche“ rasch zu identifizieren. „Das macht sehr viel Sinn“, sagte er: „Die Möglichkeiten, die wir haben, sind ja einzigartig.“

Experte ruft zu „Cyberhygiene“ auf
Cornelius Granig, Leiter des Bereichs Cyber Security und Krisenmanagement beim Beratungsunternehmen Grant Thornton Austria, unterstrich die Bedeutung von „Cyberhygiene“, um Missbrauch zu verhindern. Wenn man aber die Datenwelt in Ordnung halte, dann könne man Vorhandenes in der Forschung nutzen.

Die entsprechende Datenlandschaft sei in Österreich sehr gut und interessant, meinte er und verwies ebenfalls auf den „Datenschatz“ der ELGA. Für deren Nutzung wäre eine Verordnung des Gesundheits-und Bildungsministeriums notwendig, die den Rahmen für die entsprechende Registerforschung bilden würde. „Es wäre schade, wenn nur Kriminelle Gesundheitsdaten nutzen würden“, sagte Granig. Finanziert aus Geldern der Beteiligungsgesellschaft der Republik, der ÖBAG, könnte Österreich dann einen international vorbildlichen Gesundheitsforschungscluster initiieren.

 krone.at
krone.at
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Samstag, 31. Juli 2021
Wetter Symbol