01.05.2021 06:00 |

QR-Code auf Wagen & Co

Retter wollen Gaffer mit eigenen Mitteln schlagen

Durchschnittlich 26 Schaulustige kommen in Deutschland auf einen Unfall-Rettungseinsatz. Sie gefährden nicht nur das Leben der Unfallopfer, indem sie die Arbeit der Retter behindern, sondern manchmal auch ihr eigenes. Die Rettungskräfte der Johanniter wollen die Gaffer daher nun mit ihren eigenen Mitteln schlagen - ein QR-Code auf Rettungsfahrzeug und Ausrüstung soll es möglich machen.

Immer wieder erlebten Rettungskräfte, dass ihre Arbeit durch Schaulustige behindert werde. Die Verbreitung von Smartphones und die Veröffentlichungsmöglichkeiten in den sozialen Medien hätten die Problematik noch verschärft. „Das muss sich ändern, denn oft entscheiden schon wenige Minuten über Leben oder Tod“, so Jörg Lüssem, Mitglied des Bundesvorstandes der deutschen Johanniter-Unfall-Hilfe, in einer Mitteilung.

Um Aufmerksamkeit für das brisante Thema „Gaffen am Unfallort“ zu schaffen und diesem zu begegnen, hat die Rettungsorganisation daher eine Idee der Kreativagentur Scholz & Friends aufgegriffen und setzt diese derzeit in einem gemeinsamen Pilotprojekt in Berlin um: Mit einem Design auf Basis der QR-Code-Technologie, das an Rettungsfahrzeugen oder an der Ausrüstung der Retter angebracht werden kann, sollen Schaulustige, die mit ihrem Smartphone das Geschehen festhalten wollen, vom Gaffen abgehalten werden.

„Gaffen tötet!“
Der QR-Code löst auf dem Handy der Fotografierenden den automatischen Warnhinweis „Gaffen tötet!“ aus. So solle Gaffern ihre Tat „unmittelbar bewusst gemacht werden“.

Kein Kavaliersdelikt
Denn: Gaffen ist kein Kavaliersdelikt. Seit dem ersten Jänner gilt laut Paragraf 201a des Strafgesetzbuches in Deutschland, dass das Fotografieren oder Filmen eines Unfalls mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren belangt werden kann. Hierzulande drohen Gaffern immerhin Geldstrafen von bis zu 500 Euro, bei besonders erschwerenden Umständen sogar Haft von ein bis zwei Wochen.

Die Johanniter wollen nun in den kommenden Monaten die Verwendung des QR-Code-Designs auf acht Rettungswagen und einem Intensivtransportwagen sowie Ausrüstung wie Rucksäcken und Sichtschutzwänden testen und Erfahrungen sammeln, wie effektvoll das Pilotprojekt ist und wie es in die Breite getragen werden kann - „auch über die eigene Organisation hinaus“, wie es hieß.

Sebastian Räuchle
Sebastian Räuchle
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