Zwei Hauptargumente, die aus Sicht der Kriminellen für das Internet als Tatort sprechen: Die Zahl potenzieller Opfer ist praktisch unbegrenzt und das Risiko, im Datenwulst erwischt zu werden, ungleich geringer als im realen Leben.
Aus dem selben Grund ist das Net für Strafverfolgungsbehörden wohl die Herausforderung geworden. Im erstmals veröffentlichten iOCTA-Bericht weist die europäische Polizeibehörde Europol auf neueste Trends im Cybercrime hin. Klar sei unter anderem, dass das Internet auch für jene Gruppierungen unerlässlich geworden sei, die sich mit "offline organisierter Kriminalität" beschäftigen. Konkret spricht Europol dabei Drogen- und Menschenhändler, Schlepperringe, Betrüger - auch Umsatzsteuer-Betrüger sowie Geldfälscher - und Waffenhändler an.
Unzählige Möglichkeiten zur Online-Geldwäsche
Neben der Anonymität im Netz, die als Gegenmaßnahme gegen die Ermittlungstätigkeit der Strafverfolgungsbehörden benutzt wird, profitierten kriminelle Organisationen laut Europol auch massiv vom Online-Banking, mit dem sie ihre aus dubiosen Geschäften erzielten Gewinnen wesentlich schneller als zuvor weiterbewegen können. Online-Spiele werden laut Europol ebenfalls zur Geldwäsche benutzt, ebenso die Online-Währungen in virtuellen Welten und virtuelle Bezahlungssysteme.
Handel mit gestohlenen persönlichen Daten als neuer Zweig
Daneben ist ein ganz eigener Kriminalitätszweig entstanden: Europol spricht von einer "digitalen Untergrund-Gemeinschaft", in der Daten die Handelsware sind. Gestohlene persönliche oder Finanzinformationen, etwa für den Zugang zu existierenden Bankkonten und Kreditkarten, haben einen Geldwert, so die Experten. Die gehandelten Daten umfassen nicht nur Details zur Kreditkarte, sondern auch Adressen, Telefonnummern, Namen, Geburtsdaten und Sozialversicherungsnummern.
Hacker-Struktur im Untergrund
Dies treibt eine komplette Untergrund-Infrastruktur an, bestehend aus Autoren böser Codes, spezialisierten Web Hosts und Personen, die in der Lage sind, Netzwerke vieler Tausend infizierter Computer für automatische Attacken zu gründen. Der Gesamtwert der cyberkriminellen Wirtschaft ist laut Europol nach wie vor im Dunkeln.
Cyber-Kriminelle oft jung und unabhängig agierend
Auch die Strukturen der kriminellen Gruppierungen haben sich Europol zufolge verändert. Die streng hierarchische Struktur, wie sie etwa die sizilianische Cosa Nostra pflegt, gibt es im Internet nicht mehr. Es gibt keine eindeutige Führung, viele Mitglieder kennen einander nur online. Und Cyberkriminelle sind oft jung, talentiert und werden von Universitäten rekrutiert.
Leichtes Spiel dank Social Networks
Apps, Facebook, Wikis und Echtzeit-Kommunikationsmittel haben der Cyberkriminalität ein weiteres Hoch beschert. Web 2.0 brachte neue Möglichkeiten. Es sei einer der Schlüsseltrends in den vergangenen Jahren, dass immer mehr Crimeware über die sozialen Netzwerke verbreitet wird, so Europol. Hilfreich für die Täter sei dabei, dass sich User auf Facebook und Co. oft in einen geschlossenen Bereich mit Freunden wähnen. Google Earth, Buzz und andere Dienste, die lokalisierte Informationen bieten, dienen wiederum den Offline-Kriminellen als Recherchemittel.
Mehr Sicherheit für drahtlose Netzwerke nötig
Für Europol ist die Präventionsarbeit im Internet genauso wichtig wie die Ermittlung selbst. In der Bekämpfung gehe es um Zusammenarbeit mit den Providern und Internet-Sicherheitsanbietern. Einer der wesentlichsten Punkte ist der Polizeibehörde zufolge die Sicherung von drahtlosen Netzwerken.
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