17.04.2021 05:00 |

Lebenslust

Auch nach Herzinfarkt wieder Sex genießen

Menschen mit Herzerkrankungen sind oft verunsichert, ob sie Lust und Liebe genießen dürfen. Die Sorge ist meist unbegründet. Ein Kardiologe informiert, was es zu beachten gilt.

Betroffene brauchen nicht auf die „schönste Nebensache der Welt“ zu verzichten. Prim. Dr. Franz Gebetsberger, Leiter der Kardiologie am Klinikum Bad Hall (OÖ), erklärt: „Sexuelle Aktivität ist eine gesunde Form des Herz-Kreislauf-Trainings. Sie wirkt entspannend, baut das Stresshormon Cortisol ab, fördert das Immunsystem und ist ein wichtiger Beitrag zur Lebensqualität.“ Dennoch: „Für Menschen mit einer schweren Herz-Kreislauf-Erkrankung stellt die Erhöhung des Blutdrucks - auch wenn sie nur kurz andauert - unter Umständen ein Risiko dar. Aber weniger als 1% aller Infarkte und Fälle von plötzlichem Herztod treten beim Geschlechtsakt auf. Meist betrifft das Menschen, die an einer nicht diagnostizierten und daher unbehandelten kardiovaskulären Erkrankung leiden.“

Wie lange enthaltsam bleiben?
Wann man nach einem Infarkt wieder Sex haben darf, hängt laut dem Kardiologen grundsätzlich von Alter, Fitness, gesundheitlichem Zustand sowie davon ab, ob ein chirurgischer Eingriff (Stent- oder Bypass-Operation) vorgenommen wurde. Auch Patienten mit Herzinsuffizienz sollten enthaltsam sein, bis sie medizinisch und therapeutisch optimal behandelt sind. Prim. Gebetsberger empfiehlt Personen mit neu diagnostizierter Erkrankung oder nach akutem Ereignis eine gründliche körperliche Untersuchung, bevor sie sich der Lust hingeben. Spezielle Maßnahmen in der Reha, wie moderates Bewegungsprogramm, Lernen von Entspannungstechniken, Atemtraining, senken das Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen. Da psychische Beschwerden und Ängste, auch in Bezug auf sexuelle Aktivität, häufig auftreten, ist individuelle psychologische Unterstützung ein Bestandteil der Therapien. Bei betroffenen Frauen im gebärfähigen Alter ist eine Beratung im Hinblick auf die Einnahme der Antibabypille wichtig.

Potenzprobleme ansprechen
Herz-Kreislauf-Erkrankungen (in erster Linie durch Gefäßverkalkungen bzw. Durchblutungsstörungen), aber auch bestimmte Arzneimittel (Präparate gegen Bluthochdruck, Antidepressiva) wirken sich mitunter negativ auf Libido und Erektionsfähigkeit aus. Prim. Gebetsberger: „Keinesfalls eigenmächtig zu potenzsteigernden Tabletten greifen, da sich die Wirkung in Kombination mit anderen Medikamenten möglicherweise verstärken kann! Hier gilt es, offen mit dem Kardiologen zu sprechen.“

Regina Modl
Regina Modl
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