Riesenerfolg

Online-Lexikon Wikipedia feiert zehnten Geburtstag

Web
14.01.2011 16:58
Ein Lexikon, an dem jeder mitschreiben darf - egal ob Schüler oder Professor? Artikel, die teils im Minutentakt geändert werden? Und das alles finanziert mit den Spenden der Leser? Vor zehn Jahren, als Internet-Unternehmen der ersten Stunde reihenweise pleitegingen, hätte kaum jemand gedacht, dass so ein zuverlässiges Nachschlagewerk entstehen kann. Und doch begann am 15. Jänner 2001 die Wikipedia ihren Siegeszug. Heute ist sie für viele Nutzer nicht mehr wegzudenken. Die Geschichte eines unwahrscheinlichen Erfolges.

Ungewöhnlich war schon das Duo, das die Enzyklopädie gründete. Jimmy Wales, Jahrgang 1966, betrieb mit einem Kompagnon das Portal Bomis.com. Geld verdiente es mit Männer-Unterhaltung: Sport, Klatsch - und nackten "Babes". Aus den Einnahmen der Firma steuerte er das Startkapital bei, ließ ansonsten aber Larry Sanger freie Hand. Die beiden hatten sich bei Diskussionen über Philosophie im Internet kennengelernt. Sanger, Jahrgang 1968 und promovierter Philosoph, wurde "Chefredakteur" der Nupedia, aus der bald die Wikipedia hervorging.

Dass Tausende Nutzer gemeinsam ein Lexikon schreiben können, glaubte auch Sanger nicht. Bei dem Vorläufer der Wikipedia, der Nupedia, war die Auslese streng. Im Prinzip durfte zwar jeder mitmachen. Allerdings mussten Autoren renommierte Experten für ihr Thema sein. Und Korrekturleser hätten meist einen Doktortitel in ihrem Wissensbereich, betonte Sanger damals.

Artikelerstellung anfangs viel zu aufwendig
Sieben Kontrollen musste ein Artikel durchlaufen - mehr als bei einem wissenschaftlichen Journal. Der erste, es ging um Atonalität, war nach sieben langen Monaten im Netz. Im ersten Jahr kamen kaum mehr als 20 Texte zusammen. "Es musste einen Weg geben, wie einfache Nutzer leichter mitmachen können", sagte Larry Sanger später einmal. Die Wiki-Software sollte Abhilfe schaffen: Ein frei verfügbares System, mit dem Nutzer ganz einfach Webseiten anlegen und bearbeiten können. Alles was es brauchte, war ein Browser. Damit diese Artikel sich nicht mit der Nupedia vermischten, meldete Wales dafür eine eigene Domain an. Am 15. Jänner 2001 ging wikipedia.org online.

Riesenerfolg in kürzester Zeit überraschte
Das Wiki war nur als Test gedacht. Nach einem Monat standen 600 Artikel online und damit mehr als in der Nupedia. Nach einem Jahr waren es schon 20.000 - zur Überraschung der Gründer. Immer öfter tauchten die Texte ganz oben in den Suchergebnissen bei Google auf. Wikipedia wurde zur Referenz der wachsenden Onliner-Schar. Nicht immer zuverlässig, nicht immer gut geschrieben, aber sehr präsent. Lexika wie der Brockhaus kamen dagegen nicht mehr an.

Umbrüche: Streit der Gründer und Wikimedia-Stiftung
Larry Sanger war da schon nicht mehr Chefredakteur. Im Streit über Kontrolle und Qualität verließ er Wikipedia 2002. Wales blieb - und gilt seitdem als Gründer des Lexikons. Seine Firma Bomis zog sich allerdings zurück: Wales gründete 2003 die Wikimedia-Stiftung und übertrug ihr Namensrechte und Server. Das Lexikon und seine Schwesterprojekte finanzieren sich über Spenden.

Wikipedia plagen Nachwuchssorgen
Im Jubiläumsjahr hat Wikipedia jedoch Nachwuchssorgen. "Wir haben Millionen von Lesern. Aber verhältnismäßig wenige wissen überhaupt, dass sie mitmachen können", sagt Catrin Schoneville, Sprecherin des Wikipedia-Fördervereins Wikimedia. Um Autoren zu gewinnen, investiert der Verein einen Teil der Spenden in Projekte für Senioren oder Schüler - damit der unerwartete Erfolg der Wikipedia nicht bei den heute 1,2 Millionen deutschen Artikeln endet.

"Wiki" stammt aus dem Hawaiianischen
Das Wort "Wiki" stammt übrigens aus dem Hawaiianischen und heißt schnell. Gerade diese Eigenschaft macht auch Wikis aus: Es handelt sich um Webseiten, die jeder Benutzer ohne großen Aufwand bearbeiten kann. Alles was er dafür braucht, ist ein Browser. Die Veränderungen sind in der Regel sofort sichtbar. Alte Versionen werden abgespeichert, jeder Schritt kann nachvollzogen werden. Wikipedia ist das bekannteste Wiki, aber auch immer mehr Firmen nutzen das Wiki-Prinzip, etwa fürs Wissensmanagement.

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