Hier kommt einmal ein von Demenz Betroffener zu Wort. Denn zu wissen, was diese Menschen brauchen, ist wesentlich für zukünftige Pflegethemen und die längst überfällige Reform.
Diese Lebensgeschichte ist nur ein kleiner Auszug und ein Beispiel, wie sich das anfühlt, wenn das Gedächtnis schwindet. Wir lassen die Erzählung für sich sprechen: „Ich hatte einfach nur Angst. Angst, verrückt oder schizophren zu sein. Erinnerungslücken, Aussetzer und Sprachlosigkeit sind meine treuen Begleiter geworden. Angst habe ich jetzt auch noch. Aber nach der Diagnose ,Demenz vom Alzheimertypus‘ weiß ich, dass ich zwar irgendwie verrückt werde, aber nicht im Sinne von wahnsinnig. Vielmehr ist mein Denken ver-rückt. Nicht mehr an dem Platz, an dem es war. Anfänglich habe ich krampfhaft Fotos mit meiner Frau und Kindern besprochen, Notizen dazu gemacht, meine Biografie in Stichworten aufgeschrieben und versucht, dies auswendig zu lernen. Das hat alle, mich eingeschlossen, noch mehr gestresst. Ich versuche loszulassen, das Leben viel bewusster zu genießen und nicht daran zu denken, dass ich eines Tages meine Familie nicht mehr erkennen werde.“
Erkrankungen des Gehirns im Alter
Ingrid Korosek: „Irgendwann werde ich vergessen, wer du bist“
Sagt ein Mann im Film „Die Auslöschung“ zu seiner Ehefrau. Er leidet an Alzheimer und geht sich selbst und seiner Partnerin immer mehr verloren. Im Allgemeinen ist Demenz aber öffentlich kaum ein Thema. Das spiegelt die Lage der Betroffenen wider: Sie und ihre Angehörigen führen ein Leben im Schatten. Dabei gibt es in Österreich circa 145.000 Menschen mit dieser Diagnose. Bis 2040 wird sich die Zahl verdoppelt haben. Demenz ist bereits heute die häufigste Ursache von Pflegebedürftigkeit. In Heimen leiden knapp zwei Drittel der Bewohner an Alzheimer, das sind über 50.000 Menschen. Die anderen, also fast 100.000, wohnen zuhause, betreut von ihren Familien - wieder ein Problem der Versorgung älterer Menschen, das „privatisiert“ wurde.
Schwierig genug: Schulungen für pflegende Angehörige mit einschlägigen Informationen, Beratung und Trainings gibt es kaum. Beim Pflegegeld wird bei einer Alzheimer-Diagnose mit Mehrbedarf an Betreuung von 25 Stunden im Monat gerechnet - egal, wie stark ausgeprägt das Leiden ist. Ausreichend Hilfe durch mobile Dienste lässt sich damit nicht zukaufen. Unterstützung über mehrere Stunden oder in der Nacht ist unfinanzierbar. Das Angebot von Tageszentren, Therapien, Memorykliniken und Betreuungsdiensten ist ziemlich überschaubar.
In den Heimen sieht es kaum besser aus. Obwohl das Personal überwiegend mit dementen Bewohnern zu tun hat, wird es erst seit relativ kurzer Zeit entsprechend geschult, bekommt meist keine entsprechende Unterstützung durch Psychologen. Die Betreuungskosten von Alzheimerpatienten steigen rasant an. Von 50.000 € pro Jahr und Person im Frühstadium auf 91.000 € bei schwerer Form. Wenn wir also in den kommenden Monaten über Pflegereform sprechen werden, gehört das Thema Demenz für mich unbedingt dazu!
Kontakt: Ingrid Korosec, Österreichischer Seniorenbund, Lichtenfelsgasse 7, 1010 Wien.
Karin Podolak, Kronen Zeitung
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