Die Arthroskopie, auch als Schlüsselloch-Chirurgie bezeichnet, erfährt derzeit in der Orthopädie einen enormen Aufwind. Viele Operationen, die bis vor einigen Jahren nur mit großen Schnitten und langer OP-Zeit durchgeführt werden konnten, erfolgen mittlerweile minimalinvasiv, also arthroskopisch. Dies bekräftigen Experten anlässlich des internationalen Tages der Arthroskopie am 1. Februar.
Bei der Arthroskopie handelt es sich um eine Gelenksspiegelung und -behandlung, bei der millimeterkleine Instrumente zum Einsatz kommen. Mit ihnen dringt der Arzt direkt an den Ort der Erkrankung vor, kann dort unter Sichtkontakt eine Diagnose stellen und die Behandlung durchführen. Die Sichtkontrolle erfolgt über einen Monitor. „Dabei hat sich die Technik in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten rapide und drastisch weiterentwickelt“, berichtet Prim. Univ. Doz. Dr. Christian Wurnig, Leiter der auf Sportorthopädie und Arthroskopie spezialisierten I. Abteilung des Orthopädischen Spital Speising. Hochauflösende Kameras und Bildschirme mit Farbechtheit sowie verbesserter Tiefenwahrnehmung bieten dem Chirurgen einen einzigartigen Überblick über die umliegenden Gewebe, Muskelfasern, Sehnen und Knochen. Die Vorteile von arthroskopischen Eingriffen sind insbesondere geringes Trauma, also wenig Blutverlust, geringe Inanspruchnahme der Muskelfasern und Weichteile, kürzere OP-Zeiten und schnellere Remobilisation der Patienen, so der Experte.
Die meisten Gelenkprobleme, bei denen die Schlüsselloch-Chirurgie zur Anwendung kommt, betreffen das Knie, gefolgt von der Schulter. Aber auch Hand-, Ellenbogen-, Hüft- oder Sprunggelenkverletzungen werden zunehmend mittels Arthroskopie therapiert. „Jedes Gelenk hat eine eigene Anforderung an diese Anwendung“, erklärt Prim. Dr. Gerald Loho, Vorstand der II. Orthopädischen Abteilung im Herz-Jesu Krankenhaus. Meniskus- und Kreuzbandrisse sind die häufigsten Knieverletzungen bei Patienten aller Altersgruppen. Vor allem bei ausgedehnten Meniskusrissen kann durch eine Arthroskopie sehr oft der Meniskus wieder genäht und dadurch erhalten werden.
Bei einer Gelenksspiegelung des Schultergelenkes wird Flüssigkeit in das Gelenk gepumpt und eine spezielle Kamera über einen kleinen Hautschnitt eingeführt. Dadurch wird im Gegensatz zu einer offenen Operation weniger Gewebe verletzt und eine große Narbe verhindert. Am Handgelenk liegt das größte Einsatzgebiet dieser Operationsmethode in der Diagnostik. Die Schlüssellochchirurgie ermöglicht eine Früherkennung und -therapie beispielsweise von Verletzungen der Bänder oder Knorpel. Der Einsatz am Sprunggelenk ist vielseitig: Arthrose, Knorpelschäden oder zum Beispiel Impingement (Einklemmungsproblematik beim sogenannten „Soccer’s Ancle“) können mit Arthroskopie therapiert werden. Eine Besonderheit stellt die Spiegelung des Ellenbogens dar und ist technisch höchst anspruchsvoll (ähnlich wie jene der Hüfte). Indikationen sind neben Verletzungen auch Ellenbogensteife oder Instabilitäten.
Regina Modl, Kronen Zeitung
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