US-Armee zum Feind

WikiLeaks-Gründer Assange: "Bin in Lebensgefahr"

Web
28.10.2010 10:30
WikiLeaks-Gründer Julian Assange fürchtet um sein Leben. "Es besteht eine kleine, aber nicht irrelevante Gefahr, dass ich getötet werde. Es gibt eine ernsthafte Gefahr, dass ich vor Gericht lande und verhaftet werde. Man versucht, eine Spionageaffäre gegen mich und andere Mitglieder der Organisation aufzubauen", sagte der 39-jährige der römischen Tageszeitung "La Repubblica" am Mittwoch. Ein CIA-Experte hatte erst kürzlich verraten, dass in den USA entsprechende Pläne auf dem Tisch liegen.

Als seinen "ärgsten Feind" bezeichnete Assange die US-Armee und die Banken, die die größten Ressourcen investiert hätten, um Wikileaks Steine in den Weg zu legen. Der Australier meinte, es sei beleidigend für ihn, dass man ihn als Journalist bezeichne. Journalisten seien für Kriege mitverantwortlich, indem sie keine Fragen stellen, auf ihre Integrität verzichten und sich "feig auf Regierungsquellen stützen".

Wikileaks habe bisher 76.000 der 90.000 Dokumente in seinem Besitz über Afghanistan veröffentlicht. "Diese Dokumente enthalten genaue Angaben über den Tod von 20.000 Personen. In den zwei Monaten, die seit der Veröffentlichung dieses Materials vergangen sind, ist laut unserer Informationen keinem afghanischer Zivilisten von der Veröffentlichung der Dokumente geschadet worden", so Assange.

Enthüllungen über Kriegsverbrechen im Irak

Die geheimen US-Unterlagen stammen laut WikiLeaks aus "einer Datenbank des Pentagon" aus der Zeit vom 1. Jänner 2004 bis zum 31. Dezember 2009. Darin seien "zahlreiche Fälle von Kriegsverbrechen" belegt. Aus den fast 400.000 Dokumenten geht unter anderem hervor, dass die US-Armee trotz ihres Wissens von Folterungen von Gefangenen durch irakische Sicherheitskräfte nicht einschritt.

Auch den US-Söldnerfirmen und Soldaten werden schwere Vorwürfe gemacht, so kamen unter anderem die Ermordung von bereits kapitulierten Irakern und Unschuldiger an Sicherheitschecks ans Licht. Die Dokumente enthüllen außerdem, dass im Irak mindestens 15.000 Zivilisten mehr getötet wurden als bisher bekannt.

Pentagon rechnet mit weiteren Veröffentlichungen
Die US-Regierung rechnet indes mit weiteren Veröffentlichungen durch Wikileaks. Nach Einschätzung des US-Verteidigungsministeriums könnte die Internetplattform über weitere bisher unveröffentlichte Geheimdokumente verfügen. "Wir glauben, dass sie weitere Papiere haben", sagte Pentagon-Sprecher Dave Lapan am Dienstag in Washington. Über den möglichen Inhalt der Unterlagen und die Staaten, um die es darin gehen könnte, machte er keine Angaben.

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