Es heißt "Leonie"

Roboterauto fährt erstmals im realen Straßenverkehr

Motor
11.10.2010 14:21
In Braunschweig hat ein automatisch fahrendes Auto erstmals am realen Straßenverkehr teilgenommen. Das im Zuge des Projekts "Stadtpilot" entwickelte Forschungsauto "Leonie" legte ohne eigentlichen Fahrer mehrere jeweils bis zu drei Kilometer lange Testfahrten auf dem zweispurigen Braunschweiger Stadtring zurück, wie eine Sprecherin der Technischen Universität (TU) Braunschweig mitteilte. Google hat bereits seit einigen Monaten selbstständig fahrende Kameras im Einsatz.
(Bild: kmm)

"Leonie" kann selbstständig nicht nur die Spur halten, sondern auch Kreuzungen berücksichtigen, Hindernissen ausweichen und die Abstände dem fließenden Verkehr anpassen.

"Es gab bei keiner Fahrt irgendwelche Probleme", sagte die Sprecherin. Die Tests seien "völlig planmäßig verlaufen". Der Wagen kann via Satellitenortung seine Position im Straßenverkehr berechnen. Verschiedene Laserscanner und Radarsensoren sorgen dafür, dass "Leonie" ihr Umfeld in jedem Moment wahrnehmen und dann im Rechner weiterverarbeiten kann. Fahren kann das Auto zwar allein - aus Sicherheitsgründen ist aber immer auch ein Fahrer an Bord, der notfalls eingreift. Ein weiterer Fahrer gibt derzeit noch die Ampelphase ein, die noch nicht von "Leonie" erkannt wird.

Google-Flotte schon Monate unterwegs
In Kalifornien ist bereits seit einigen Monaten eine Testflotte im Straßenverkehr Kaliforniens unterwegs. Die Wagen sind mit Kameras, Radar-Sensoren und einem Laser-Messgerät ausgerüstet, erläuterte der verantwortliche Entwickler Sebastian Thrun in einem Blog-Eintrag. Die Testwagen haben bereits etwa 1.600 Kilometer selbstständig zurückgelegt, bevor Google mit der Nachricht an die Öffentlichkeit trat. Nun fragen nicht nur Verkehrssicherheitsexperten nach dem Risiko dieses Unterfangens.

Google argumentiert gegen die Bedenken, dass es bei den Testfahrten nur einen kleinen Verkehrsunfall mit Blechschaden gegeben habe - als ein Fahrer von hinten auf ein Google- Auto auffuhr, das an einer Ampel hielt. Die Roboter- Autos führen nicht nur sicherer, sondern auch zügiger als menschliche Fahrer, ergaben die Tests laut "New York Times", die in der Sonntagausgabe exklusiv über das Projekt berichtete. Die Testflotte besteht demnach aus sechs Toyota Prius und einem Audi TT.

Die Ankündigung zeigt, wie weit die Ambitionen von Google über das Internet- Geschäft hinausgehen. Bei der Steuerung der Autos ist künstliche Intelligenz mit im Spiel. Die Testwagen hätten insgesamt bereits 140.000 Meilen (ca. 225.000 Kilometer) zurückgelegt, schrieb Thrun, der einer der Väter des umstrittenen Straßenatlas- Projekts Google Street View ist. Ganz ohne zutun von Menschen seien es 1.000 Meilen gewesen, schreibt die "New York Times"

Roboterautos sollen Verkehrsentlastung bringen

Die Google- Entwickler gehen nach Angaben der Zeitung davon aus, dass die Straßen doppelt soviel Verkehr fassen könnten, wenn Computer statt Menschen die Fahrzeuge steuerten - ganz abgesehen von einer umweltfreundlichen Fahrweise. Außerdem seien Roboter am Steuer naturgemäß nie müde oder abgelenkt.

Allerdings müssten die Computersysteme insgesamt noch deutlich verlässlicher werden, bevor Roboter- Autos in Massen auf die Straßen dürften, räumten die Ingenieure ein. Sie rechnen mit einem Zeitraum von mindestens acht Jahren.

Belebte Straßen angesteuert

Um die Sicherheit der Testfahrten zu gewährleisten, sitze immer ein speziell ausgebildeter Fahrer am Steuer der Wagen und könne jederzeit eingreifen, betonte Thrun. Als Beifahrer sei ein Software- Techniker an Bord. Die Testautos seien durch belebte Straßen wie den Hollywood Boulevard oder die Lombard Street in San Francisco gefahren. Auch die Golden Gate Brücke haben sie schon überquert.

Googles Datensammelwut zahlt sich aus

Zur Orientierung greifen die Roboterwagen unter anderem auch auf die Daten von Street View zurück, wie aus Thuns Blogeintrag hervorgeht. In mehreren Ländern hatte Googles Idee, ganze Straßenzüge abzufotografieren und online zu stellen, für Diskussionen über Verletzungen der Privatsphäre gesorgt. Zahlreiche Mieter und Immobilienbesitzer machen von ihrem Recht gebraucht, ihre Häuser oder Wohnungen auf den Street- View- Bildern unkenntlich zu machen. Die Roboter- Wagen haben ebenso wie die Autos zum Erstellen von Street- View- Aufnahmen Kameras auf ihren Dächern montiert - wenn auch weniger auffällige.

Künstliche Intelligenz als Zukunftsfeld Googles

Google- Chef Eric Schmidt hatte in jüngsten Auftritten mehrfach signalisiert, dass der Internet- Konzern sich Richtung künstlicher Intelligenz vorarbeite. So sei die nächste Etappe bei der Internet- Suche, den Menschen Informationen zu bieten, die sie interessieren, auch wenn sie sich dessen vielleicht gar nicht bewusst seien, hatte Schmidt in Berlin auf der Funkausstellung IFA angekündigt. Dafür brauche Google allerdings möglichst viele Informationen über einen Nutzer.

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(Bild: kmm)



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