14.09.2020 14:43 |

Generationenkonflikt

Bizarrer TikTok-Hype sorgt für „Krieg der Hexen“

Hexen und Zauberer gibt es nicht nur in Fantasy-Romanen, sondern auch in sozialen Medien: Auf TikTok, Instagram, YouTube und Reddit hat sich eine Community selbsternannter Hexen gebildet, die in Kurzvideos jüngst sogar den Mond verzaubern wollten. Manch Hexerei-Kanal hat Hunderttausende Follower. Social-Media-Wirbel, der nach Ansicht alteingesessener Hexen ihrer Sache in Wirklichkeit nur schadet …

„WitchTok“ nennt sich die Hexen-Community auf TikTok und im Juli erlangte sie durch die Behauptung Bekanntheit, einige Mitglieder könnten „den Mond verhexen“. Was die meisten als unkonventionellen Freizeitspaß junger Mädchen abtaten, brachte manch anderen auf die Palme. Zauberei-Skeptiker verurteilten sie wegen angeblicher Teufelsanbetung, Zauberei-Gläubige warfen ihnen vor, eines ihrer wichtigsten Symbole zu besudeln.

Die „Hex the Moon“-Challenge ist nur ein Schauplatz eines größeren Konflikts zwischen den älteren und den jüngeren Vertreterinnen der Hexerei. Letztere sehen den in den letzten Jahrhunderten mühsam aufpolierten guten Ruf ihrer Zunft in Gefahr, erstere sehen in sozialen Medien ganz neue Möglichkeiten bei der Verwaltung ihrer Hexenzirkel, berichtet „CNET“.

Alte Hexen beäugen TikTok mit Skepsis
Eine Vertreterin der älteren Generation: „Ob das jetzt Stunts wie das Verhexen des Mondes sind oder sie sich über den Rest von uns lustig machen, indem sie Videos mit kruden Sounds und Effekten posten, sie werfen unsere Sache jedenfalls zurück.“ Die Frau, die anonym bleiben will und sich seit Jahren in der Subkultur der Hexen bewegt, sieht in TikTok-Hexen Mitläuferinnen, die sich nur wegen der Foto-Ästhetik und der Möglichkeit, Follower zu gewinnen, für die Hexerei interessieren.

Eine Sichtweise, der jüngere Vertreterinnen der Hexerei mit Konten auf TikTok, YouTube oder Instagram entschieden widersprechen. „Miss Tea“, die Administratorin einer australischen Hexen-Community auf Facebook: „Ich habe von einigen gehört, die komplett auf Technologie verzichten, von solchen, die sie kaum benutzen und von solchen, die Zaubersprüche im Internet mit ihren Geräten weben. Keine von ihnen hat mehr Recht als die andere.“

Manch TikTok-Hexe hat 500.000 Follower
Der Erfolg der TikTok-Hexen gibt ihnen Recht: Manche von ihnen locken mit ihren 15 bis 60 Sekunden langen Kurzvideos mehr als 500.000 Abonnenten an. Auf anderen Plattformen funktioniert die Hexen-Ästhetik ebenso: Im Online-Forum Reddit gibt es Unterforen zur Hexerei mit 180.000 Mitgliedern, auf Instagram haben junge Frauen im Hexen-Look erfolgreiche Kanäle ins Leben gerufen und verdienen gutes Geld mit ihrer Reichweite.

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Für mich und viele andere auf der Welt ist der Blick in den schwarzen Spiegel meines Smartphones ein Portal zu allen Inhalten, die ich gerne konsumiere und ein Ort, an dem ich eine ehrliche Gemeinschaft finde, deren Teil ich sein kann.

Anais Alexandre, Hexen-Influencerin

Jene, die mit der Social-Media-Hexerei ernst meinen, betonen freilich andere Vorzüge. „Es ist einfach natürlich, dass sich Freundschaften und tiefere Verbindungen wie Hexenzirkel auch an diesen Orten entwickeln“, sagt Anais Alexandre alias „Hearthfire Fox“. „Für mich und viele andere auf der Welt ist der Blick in den schwarzen Spiegel meines Smartphones ein Portal zu allen Inhalten, die ich gerne konsumiere und ein Ort, an dem ich eine ehrliche Gemeinschaft finde, deren Teil ich sein kann.“

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