Lauschangriff

US-Regierung will Internet stärker überwachen

Web
28.09.2010 11:27
Seit den frühen Tagen der Internet-Ära gibt es einen Wettlauf zwischen denen, die gesichert kommunizieren wollen, und denen, die - aus welchen Gründen auch immer - mitlesen wollen. Jetzt plant die US-Regierung nach Informationen der "New York Times" ein neues Gesetz, das die Anbieter von Kommunikationsdiensten im Netz dazu zwingen soll, den Behörden den Zugriff auf den Klartext verschlüsselter E-Mails oder Chats zu ermöglichen.

Dabei geht es um technische Lösungen wie eine sogenannte Backdoor, ein Hintertürchen, das einer Behörde den Zugang zu der jeweils verwendeten Verschlüsselungstechnik öffnet. Besonders im Fokus steht der Internettelefonie- und Chat-Anbieter Skype, der nach Einschätzung von Ermittlern auch regelmäßig für die Kommunikation von Kriminellen genutzt wird.

Die Regelung soll für alle Firmen gelten, die ihren Service in den USA anbieten. Ausländische Unternehmen würden deshalb verpflichtet, ein Büro in den Vereinigten Staaten einzurichten, schreibt die Zeitung. Der Gesetzesvorschlag soll im kommenden Jahr in den Kongress eingebracht werden.

Befürworter des Gesetzes argumentieren, dass sie durch ein 1994 erlassenes Telekommunikationsgesetz bereits das Recht zum Abhören hätten, da das Gesetz nach aktueller Rechtsprechung auch für Internetangebote gelte. "Wir sprechen darüber, unsere Möglichkeiten aufrechtzuerhalten, unsere bereits bestehende Befugnis zu nutzen", sagte FBI-Justiziarin Valerie Caproni.

"Sie wollen schlicht die Uhr zurückdrehen"
Datenschützer hingegen befürchten negative Auswirkungen auf das Web. Durch das Gesetz würden wichtige Bausteine des Internets wie die dezentrale Architektur infrage gestellt. "Sie wollen schlicht die Uhr zurückdrehen und Internetangebote so umbauen, wie das Telefonsystem einmal funktionierte", wird James Dempsey vom Center für Democracy and Technology von der "New York Times" zitiert.

Rena Tangens, Mitbegründerin des "Big Brother Award", sieht die Bestrebungen zu einer Überwachung verschlüsselter Kommunikation hingegen gelassen. Sie verweist auf die Möglichkeiten der Steganografie mit versteckten Botschaften in digitalen Bildern und sagt: "Wenn Leute verschlüsselt kommunizieren wollen, dann werden sie es auch hinbekommen."

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Web
28.09.2010 11:27
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt