Heiliger Krieg im Web

Terror-Website in Deutschland vom Netz genommen

Web
17.09.2010 11:07
Eine aus Frankfurt am Main betriebene Internetseite mit Propaganda für den sogenannten Heiligen Krieg (Jihad) und Beziehungen zu Terrornetzwerken ist nach Hinweisen aus den Medien vom Provider abgeschaltet worden. Ein entsprechender Bericht der "Frankfurter Rundschau" wurde am Donnerstag von den Sicherheitsbehörden bestätigt. Ein Sprecher des deutschen Bundeskriminalamts in Wiesbaden (BKA) sagte auf Anfrage der Agentur dapd: "Wir kennen die Seite." Die Prüfung dauere noch an.

Laut Martin Heinemann, Sprecher des hessischen Landesamts für Verfassungsschutz, habe die Seite "mutmaßlich jihadistische Propagandawirkung entfaltet". Die staatlichen Stellen seien daher informiert worden. Betrieben wurde die Website dem Zeitungsbericht nach von der "Islamischen Bewegung Usbekistans" (IBU), zu deren weiterem Umfeld auch die terroristische Sauerland-Gruppe gezählt wurde.

Laut hessischem Verfassungsschutz wurde die IBU wahrscheinlich 1998 im Norden Afghanistans nahe der Grenze zu Usbekistan gegründet. Bei Kämpfen mit der pakistanischen Armee sei im August 2009 ihr Anführer Tahir Juldaschew getötet worden. Dieser sei kurz zuvor noch in einem deutschsprachigen Propagandavideo der IBU aufgetreten. Auch dieser Film habe auf der nunmehr geschlossenen Website gestanden.

Hinrichtungen Abtrünniger zum Download angeboten
Der in Frankfurt ansässige Internet-Provider habe die Website am Mittwoch vom Netz genommen, nachdem er vom "Kölner Stadt-Anzeiger" auf die dort zugänglichen Terrorfilme aufmerksam gemacht worden sei. Die Zeitung zitiert den Geschäftsführer des Providers mit den Worten, es sei technisch unmöglich, alle Inhalte zu überwachen. 

Wie es heißt, konnten Hunderte Videos sowohl mit Hasspredigten als auch Kampfhandlungen und sogar "Hinrichtungen" Abtrünniger in deutscher Sprache von der Seite heruntergeladen werden. Viele angebliche Mujaheddin hätten sich auf der Homepage unverhüllt gezeigt.

Filme nach Deutschland "geschmuggelt"
Wahrscheinlich sei das Material mit den Datenpaketen auf mobilen Speichergeräten nach Deutschland gebracht worden. Wer Zugriffsrechte auf den Server hatte, habe die Dateien dann offenbar mühelos hochladen können. Die Sicherheitsbehörden hatten die Website dem Bericht zufolge schon seit längerem im Visier.

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