17.08.2020 00:00 |

Einer ist geplatzt!

Reifentest: Runderneuert vs. China vs. Premium

Bei den Reifen fangen viele Autofahrer zu sparen an. Klar, Runderneuert sind günstiger und bieten ein Plus beim Umweltschutz. Schließlich werden sie „recycelt“, alte Karkassen wiederverwendet. Aber wie schneiden sie bei der Sicherheit ab? Und was taugen China-Reifen? Das sollte ein Vergleich mit einem Premiumfabrikat zeigen.

Der TÜV Süd und die Schweizer „auto-illustrierte“ und der haben den runderneuerten Reifen King-Meiler Strelax aus deutscher Produktion gegen den Premiumreifen Goodyear Efficient Grip Performance 2 als Referenzreifen und den chinesischen Reifen Goodride SA37 Sport auf dem Goodyear-Testgelände im französischen Mireval ins Rennen geschickt.

Das Testfahrzeug: ein VW Golf VIII mit 150 PS. Mit W-Kennzeichnung und einer Größe von 225/45 R 17 sind die Reifen jedoch auch für sportlichere Fahrzeugmodelle dimensioniert. Die Disziplinen: Bremsen und Handling jeweils nass und trocken, Aquaplaning und Kreisbahn nass sowie Dauerlauf und Hochgeschwindigkeit auf dem Prüfstand. Der Blick auf die wichtigsten Ergebnisse zeigt bei den beiden preisgünstigeren Reifen klar Schwächen gegenüber dem Referenz-Pneu. Beim Trockenbremstest aus 100 km/h setzt der Goodyear die Benchmark mit 36 Metern. Der Golf auf Goodride braucht dann noch 80 Zentimeter mehr, der auf den King-Meilers steht sogar erst bei 38,3 Metern.

Nass erwischt
Beim Bremstest auf nasser Fahrbahn und aus 80 Stundenkilometern lässt dann der Goodride weiter nach. Er bringt das Auto erst nach 40 Metern zum Stillstand, der King-Meiler nach 40,5 Metern. Der Goodyear schafft das nach 35,1 Metern. Fazit: Wo der Golf auf Premiumreifen sicher zum Halten gebracht wird, sind Goodride und King-Meiler noch mit 28 beziehungsweise 29 km/h unterwegs.

Auf der nassen Kreisbahn punktet der Referenzreifen mit spürbar mehr Seitenhalt. Platzierung der durchschnittlichen Rundenzeiten: 1. Goodyear (14,33 Sekunden), 2. King-Meiler (14,77 Sekunden), 3. Goodride (14,79 Sekunden)

Platztausch dagegen beim Aquaplaning (8 Millimeter Wassertiefe): Während der chinesische Reifen erst bei einer Geschwindigkeit von 82,4 Stundenkilometern den Grip verliert, droht das Aufschwimmen beim Goodyear bereits bei 79,3 Sachen, der Runderneuerte verliert den Kontakt zur Fahrbahn noch etwas früher, nämlich bei 78,2 km/h.

Im Labor getestet
Zusätzlich zu den realen Fahrtests auf der Testrecke haben die Reifenexperten auch umfangreiche Standardtests auf dem Prüfstand in den eigenen Labors in Garching bei München durchgeführt. Dazu gehörten ein 34-Stunden-Dauerlauftest sowie ein Schnelllauftest in Anlehnung an die zulassungsrelevante ECE-Methode. Dabei laufen die Reifen ab 240 Stundenkilometern stufenweise auf 270 km/h hoch und halten das Tempo 20 Minuten lang. Zusätzlich gab es im Anschluss noch eine Testverschärfung: eine Stunde lang unter 2 Grad Sturz bei maximal zugelassener Geschwindigkeit - in diesem Fall W-Kennzeichnung, also 270 Stundenkilometer. Der runderneuerte Reifen hat hier nur den Dauerlauftest defektfrei bestanden, während sowohl der Goodyear wie auch der Goodride alle Härtetests ohne Beanstandungen absolviert haben.

Reifenplatzer im Test
Der runderneuerte King-Meiler platzt beim Hochgeschwindigkeitstest auf dem Trommelprüfstand. Dazu Thomas Salzinger von TÜV SÜD: „Damit haben wir nicht gerechnet. Immerhin ist der runderneuerte Reifen bis 270 Stundenkilometer zugelassen und er kommt aus deutscher Produktion mit hohen Qualitätsstandards. Der Verkauf der Reifen ist nun bis zur genauen Klärung gestoppt.

An der falschen Stelle gespart
Salzingers Fazit: “Die beiden getesteten Reifen aus dem unteren Preissegment haben in Sachen Fahrsicherheit und Performance gegenüber dem Premiumreifen deutlich weniger zu bieten. Der runderneuerte Pneu hat zudem unter Höchstbelastung am Prüfstand deutliche Schwächen gezeigt. Auch wenn der Dauerlauftest auf dem Prüfstand fehlerfrei bestanden wurde: Den Nachweis über die Beständigkeit an der Belastungsgrenze blieb er schuldig. Und dass der Runderneuerte im vorliegenden Test leistungsmäßig auch dem Billigprodukt aus China kaum das Wasser reichen konnte, ist angesichts der begrüßenswerten positiven ökologischen Aspekte keine gute Nachricht."

(ampnet)

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