01.07.2020 11:27 |

Verbände uneinig

Facebook-Boykott spaltet deutsche IT-Wirtschaft

Die deutsche Digitalwirtschaft ist gespalten über den weltweiten Werbeboykott gegen den Onlinedienst Facebook. Während der IT-Verband Bitkom den Boykott kritisch sieht, zeigte sich der Internetverband Eco offen für das Vorgehen der Unternehmen im Kampf gegen Hass im Internet.

Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) wollte sich demnach nicht klar positionieren, berichtet das „Handelsblatt“. Eco-Vorstandschef Oliver Süme äußerte Verständnis für Unternehmen, die vorerst keine Werbung mehr auf Social-Media-Plattformen schalten.

Zitat Icon

Wenn nun der Markt - wie aktuell zu beobachten ist - ein Werbeumfeld regelt, das Rassismus und Hassbotschaften nicht toleriert, ist das aus meiner Sicht durchaus ein zusätzlicher Ansatz zur Bekämpfung von Hass und Hetze im Netz.

Eco-Vorstandschef Oliver Süme

„Wenn nun der Markt - wie aktuell zu beobachten ist - ein Werbeumfeld regelt, das Rassismus und Hassbotschaften nicht toleriert, ist das aus meiner Sicht durchaus ein zusätzlicher Ansatz zur Bekämpfung von Hass und Hetze im Netz“, sagt Süme. „Es zeigt auch, dass die Gesetze des Marktes und Eigenverantwortung von Unternehmen in diesem Fall effektiver sind als staatliche Regulierungsversuche.“

Zitat Icon

Letztlich sollten nicht die Verteilungsströme von Werbebudgets darüber entscheiden, was als inakzeptabler Hass oder strafwürdiger Inhalt gilt, was von der Meinungsfreiheit gedeckt ist und wo rote Linien zu ziehen sind.

Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder

Bitkom sieht Verantwortung beim Staat
„Letztlich sollten nicht die Verteilungsströme von Werbebudgets darüber entscheiden, was als inakzeptabler Hass oder strafwürdiger Inhalt gilt, was von der Meinungsfreiheit gedeckt ist und wo rote Linien zu ziehen sind“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. „Wir befinden uns hier in einem Kernbereich staatlicher Verantwortung.“ Nötig seien klare und für alle Plattformen gleichermaßen verbindliche Regeln. „Was es zudem braucht, ist eine staatliche Instanz, die in Zweifelsfällen letztlich entscheidet, welche Inhalte von den Plattformen zu entfernen sind und welche nicht.“

Der BVDW gibt seinen Mitgliedsunternehmen mit Blick auf eine mögliche Teilnahme an dem Werbeboykott dagegen keine Empfehlung. „Es steht jedem Werbungtreibenden zu, Budgets so zu verteilen, wie er möchte und wo er es für richtig und für seine Marke nützlich hält“, sagte Verbandspräsident Matthias Wahl. „Wichtig ist uns als BVDW, dass sich unsere Mitgliedsunternehmen an die bestehenden Verhaltensregeln und Kodexe halten und beispielsweise keine Websites fördern, auf denen gegen das Urheberrecht verstoßen wird oder gefälschte Produkte zu finden sind.“

Zahlreiche Firmen stoppen Facebook-Werbung
Im Kampf gegen Hass und rassistische Hetze hatten zuletzt auch eine Reihe deutscher Unternehmen erklärt, vorerst auf das Schalten von Werbeanzeigen bei Facebook zu verzichten. Darunter sind der Autobauer VW sowie die Sportartikel-Hersteller Adidas und Puma sowie der Softwarekonzern SAP. Andere Schwergewichte des Deutschen Aktienindex (Dax) wie Allianz, Deutsche Bank und Merck wollen laut einem Bericht des ZDF dagegen vorerst weiter Werbung bei Facebook schalten.

Weltweit beteiligten sich unter anderem die Café-Kette Starbucks und der Konsumgüterriese Unilever an dem Boykott. Vor dem Hintergrund der derzeitigen Anti-Rassismus-Proteste in den USA war der Druck auf Online-Plattformen zuletzt gestiegen, mehr gegen diskriminierende Inhalte zu unternehmen. Mehrere US-Bürgerrechtsgruppen forderten einen Werbeboykott gegen Facebook, das sich lange Zeit geweigert hatte, Hassbotschaften und problematische Beiträge von Politikern zu markieren.

 krone.at
krone.at
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Freitag, 10. Juli 2020
Wetter Symbol

Produktvergleiche

Alle Produkte sehen
Ihre Cookies sind deaktiviert. Die Seite wird daher möglicherweise nicht korrekt angezeigt.