07.02.2020 06:11 |

Verdauung

Antibiotika greifen nützliche Darmbakterien an

Eine Therapie mit Antibiotika zerstört nicht nur Krankheitskeime, sondern auch einen Großteil nützlicher Bakterien im Darm. Was tun?

Die menschliche Darmflora besteht aus Milliarden nützlicher Mikroorganismen. Etwa 500 verschiedene Bakterienarten - das sogenannte Mikrobiom - helfen u. a. mit, die Nahrung zu verdauen, und unterstützen die Immunabwehr. Der Mikrokosmos im Darm ist ein komplexes, sehr sensibles Ökosystem. Verschiedene Faktoren können die Zusammensetzung dieser „Lebensgemeinschaft“ jedoch beeinträchtigen.Hierzu zählt eine Behandlung mit Antibiotika. Diese Arzneimittel hemmen die Bakterien in ihrem Wachstum oder zerstören sie. Die medizinische „Wunderwaffe“ gegen Erkrankungen sollte man nur mit Bedacht und nicht leichtfertig auf Verdacht einnehmen. Wichtig ist, dass diese Medikamente nur dann zum Einsatz kommen, wenn tatsächlich eine Infektion mit krankmachenden Bakterien vorliegt. Gegen Viren und Pilze sind Antibiotika nämlich wirkungslos.

Medikamente nur gezielt einsetzen
 Die Präparate können jedoch nicht zwischen gefährlichen und nützlichen Bakterien unterscheiden. Somit bekämpfen Antibiotika auch manche im Organismus natürlich vorkommende, wichtige Arten und reduzieren dadurch die gesunde Vielfalt der Bakterien, wie em. Univ.-Prof. Dr. Günter J. Krejs, ehem. Leiter der Klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie an der Universitätsklinik für Innere Medizin Graz, betont. Der Experte sieht daher als eine der wichtigsten Aufgaben in der medizinischen Fortbildung „Ärzten, besonders auch den Hausärzten, klarzumachen, dass jede Antibiotikagabe einen massiven Eingriff in die Zusammensetzung der Darm-Mikrobiota darstellt. Ebenso müssen wir auch die Patienten deutlich auf diesen Umstand aufmerksam machen. Diese kommen oft mit der Erwartung, unbedingt ein Antibiotikum zu erhalten, bei jedem banalen - meist ohnehin viralen - Infekt zum Arzt.“

Probiotika helfen den Darmbakterien
Bereits die siebentägige Einnahme eines Antibiotikums kann die Zusammensetzung des Mikrobioms deutlich verändern. Dagegen dauert es oft bis zu mehreren Wochen, bis sich die Darmflora wieder erholt. Dies begünstigt eine vermehrte Ansiedlung unliebsamer (pathogener) Keime wie z. B. Clostridium difficile und löst mitunter Entzündungen der Schleimhaut sowie das Auftreten von Durchfall aus. Studien legen jedoch nahe, dass der Einsatz von Probiotika, d. h. „freundlichen“ und somit nützlichen Mikroorganismen, dem entgegenwirkt, wie Prof. Krejs berichtet. Ist daher eine Einnahme von Antibiotika unbedingt erforderlich, dann kann neben ausgewogener Ernährung, ausreichend Bewegung sowie Vermeidung von übermäßigem Stress auch die Zufuhr von Probiotika beitragen, das Gleichgewicht im Darm wiederherzustellen und die eigenen „guten“ Bakterien zu unterstützen.

Mag. Regina Modl, Kronen Zeitung

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