04.10.2019 12:02 |

„Abfangjäger“

Fliegender Rammbock soll Drohnen vom Himmel holen

Mit dem von ihm gegründeten Unternehmen Oculus VR, bekannt für die Virtual-Reality-Brille Oculus Rift, hat Palmer Luckey Millionen verdient. Das Forbes-Magazin schätzt sein Vermögen auf 700 Millionen US-Dollar. Seit 2017 bietet der 27-Jährige mit seiner Firma Anduril Industries Technologien zur Überwachung und Verteidigung sowohl staatlicher als auch kommerzieller Einrichtung an. Neuester Coup: eine „Konterdrohne“, die andere Drohnen durch Rammen vom Himmel holen soll.

Angaben zu den technischen Spezifikationen seiner Interceptor (dt. „Abfangjäger“) genannten Konterdrohne macht Anduril Industries in der öffentlichen Pressemitteilung vom Donnerstag keine. Nur so viel verrät das Unternehmen: Das Gerät soll fliegende „Bedrohungen autonom in jeder Umgebung, Tag und Nacht, zerstören“ können. Das funktioniert offenbar so gut, dass laut Bloomberg bereits „Dutzende“ der fliegenden Rammböcke zum Schutz militärischer Einheiten und wichtiger Infrastrukturen in den USA und nach Großbritannien versandt wurden. Hunderte weitere Interceptor-Drohnen sollen in der Pipeline stecken.

Schnelle und effektive Neutralisierung
Sich vor den unbemannten Fluggeräten zu schützen, sei bekanntermaßen schwer, wird Anduril-CEO Brian Schimpf in der Mitteilung zitiert. „Sie sind weit verbreitet, kostengünstig und in den falschen Händen gefährlich.“ Die Konterdrohne nutze eine automatisierte Zielerfassung, um diese wachsende Bedrohung aus der Luft „schnell und effektiv zu neutralisieren.“

Bisherige Abwehrmaßnahmen „Zeitverschwendung“
Von sogenannten Soft-Kill-Systemen, wie sie bislang vornehmlich zum Einsatz kommen, um Drohnen etwa mithilfe von Netzen oder der Störung von Funksignalen „sanft“ vom Himmel zu holen, hält Firmengründer Palmer denn auch wenig. Sie seien „Zeitverschwendung“, sagte er gegenüber Bloomberg. Der 27-Jährige ist im sonst so liberalen Silicon Valley nicht unumstritten. Während IT-Giganten wie Google oder Microsoft nach Mitarbeiterprotesten ihre Beteiligungen an Militärprojekten zuletzt zurückziehen mussten, macht Anduril keinen Hehl aus seinen Absichten:

„Wir bauen Waffen“
Während andere Unternehmen die Dinge verkomplizieren oder gegenüber ihren Mitarbeitern herunterspielen und behaupten würden, keine Waffen zu bauen, sei bei Anduril das Erste, was man neuen Mitarbeitern sage, wenn sie durch die Tür kämen, dass sie hier seien, um Waffen zu bauen, wie Vorstandsmitglied Trae Stephens gegenüber Bloomberg schildert. Ein Widerspruch zur offiziellen Firmenbeschreibung, der zufolge es sich bei Anduril um einen Hersteller von „Verteidigungstechnologie“ handelt.

Büchse der Pandora geöffnet
Entsprechend besorgt zeigt sich Marta Kosmyna von der internationalen Kampagne gegen Killerroboter, die sich gegen autonome Waffensysteme stark macht. Zwar ziele der Interceptor in seiner jetzigen Form nicht auf Menschen ab und benötige vor jedem Angriff die ausdrückliche Erlaubnis eines menschlichen Operators, aber es sei denkbar, dass diese Kontrollen in Zukunft geändert werden könnten. „Sie haben diese Technologie bereits entwickelt, die sogenannte Büchse der Pandora geöffnet“, sagt sie. Entwicklungen wie die Interceptor-Konterdrohne würden „sehr selten wie vorgesehen eingesetzt“.

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