Das Computerprogramm richtet sich dem Institut zufolge ausschließlich an Fachleute wie Pädagogen, Psychologen, Psychiater, Therapeuten und Polizeibeamte. Diese können bei Nachweis ihrer fachlichen Tätigkeit eine Lizenz für die Software erwerben und sich für DyRIAS schulen lassen. Wie das Magazin "Geo Wissen" berichtet, setzen bereits erste Schulen in Deutschland und die Stadtpolizei Zürich die Software ein. Weitere Schulen und schulpsychologische Dienste würden zurzeit in der Nutzung ausgebildet.
Im Probelauf erkannte "DyRIAS" demnach bisher alle probeweise eingegebenen deutschen und amerikanischen Amokläufer bei sogenannten "School Shootings". Auch im Fall des Amoklaufs von Winnenden vom März 2009 hätte das System bereits Monate vor der Tat auf der höchsten Risikostufe Alarm geschlagen.
Amoklauf am Ende eines Entwicklungsprozesses
Das Programm beruht auf der Erkenntnis der Fachleute, dass es eindeutige Signale gibt, bevor jemand zum Amokläufer wird. Eine schwere, zielgerichtete Gewalttat sei immer der Endpunkt eines Entwicklungsprozesses, der von charakteristischen Merkmalen im Verhalten und in der Kommunikation des späteren Täters begleitet werde, erklärte das Institut.
"DyRIAS" ist demnach weder eine Checkliste noch ein psychologischer Test, sondern ein verhaltensorientiertes Analyseinstrument, hinter dem sich ein komplexes Mustererkennungssystem verbirgt. Es erfasse komplexe Zusammenhänge und analysiere, inwieweit sich diese zu einem spezifischen Risikomuster verdichten.
Konkret müssen Nutzer einen Fall in anonymisierter Form eingben. Die Software stellt dabei Fragen zu relevanten Risikofaktoren wie etwa Äußerungen zum Thema Selbstmord oder Formen von Gewaltdrohungen. Zu jeder Frage gibt es ausführliche Hintergrundinformationen, die immer aus einem Expertenvideo, einem wissenschaftlichen, aber gut verständlichen Text, Fallbeispielen und Quellennachweisen bestehen.
Nutzer erhalten Risikoreport
Nach der Eingabe der Informationen erstellt das System automatisiert einen Risikoreport, den der Nutzer per Mail erhält. In diesem Report erfährt er, ob aktuell ein geringes, mittleres oder hohes Risiko für eine schwere Gewalttat besteht. Dazu gibt es eine detaillierte Darstellung des genauen Risikoprofils.
Datengrundlage des Programms sind mehrjährige Forschungsarbeiten an der Arbeitsstelle für Forensische Psychologie der TU Darmstadt. Außerdem wurden Erkenntnisse aus über 250 wissenschaftlichen Publikationen zu Tötungsdelikten, Amok, Schulgewalt und Risikoeinschätzung berücksichtigt.
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