13.07.2019 06:00 |

Herzbeschwerden

Die Seele leidet mit

Starke psychische Belastungen sind eine häufig unterschätzte Gefahr für das Herz. Bei der Entstehung von Rhythmusstörungen, Engegefühl bzw. Schmerzen in der Brust oder sogar einem Infarkt kann die Psyche eine große Rolle spielen.

Wer sich ständig alles zu sehr zu Herzen nimmt, muss damit rechnen, dass seine „Pumpe“ Schaden nimmt. „Chronischer Stress oder Depressionen gelten ebenso wie hohes Cholesterin zu den Risikofaktoren für einen Herzinfarkt - laut einer großen internationalen Studie (Interheart-Studie) können sie dieses sogar um das 2,5 fache steigern“, erklärt Prim. Univ.-Prof. Dr. Peter Siostrzonek, Abteilung für interne Medizin II - Kardiologie, des Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern.

Schädliche Auswirkung von zu viel Stress
„Starke psychische Belastungen stimulieren das sympathische Nervensystem, setzen in der Nebenniere Stresshormone frei und führen langfristig zu Verengungen oder Entzündungen der Gefäßwände.“ Die Psyche beeinflusst aber nicht nur die Entstehung, sondern auch den Verlauf der Erkrankung. Überlebende, die einen Herzinfarkt als sehr bedrohlich empfinden, entwickeln im Anschluss wesentlich häufiger eine Depression oder posttraumatische Belastungsstörung, was sich wiederum negativ auf die Zeit nach dem Akutfall auswirkt und das Sterberisiko erhöhen. Das liegt unter anderem daran, dass Herzinfarktpatienten, die unter seelischen Problemen leiden, mitunter ihre Medikamente nicht regelmäßig einnehmen und sich nur bedingt an Empfehlungen für einen herzgesunden Lebensstil halten. Individuelle Wahrnehmung und Verarbeitungsstrategien spielen dabei eine maßgebliche Rolle. Zur Nachsorge eines Herzinfarkts gehört in erster Linie die Änderungen des Lebensstils wie Rauchstopp, das Einstellen von Blutfetten, Blutdruck und Diabetes - dies erfolgt in der Phase II-Reha nach dem Spitalsaufenthalt durch Schulungen, gezielte Ernährungs- und Bewegungsprogramme, wie der Experte betont. Jedoch profitieren sehr viele Patienten auch von einer psychologischen Beratung.

Die steigende Bedeutung des seelischen Faktors zeigt sich etwa auch darin, dass die Ausbildung zum Psychokardiologen ins Leben gerufen wurde. „Jedes kardiologische Zentrum sollte auch mit einem Psychokardiologen besetzt sein“, empfiehlt Prof. Siostrzonek. Wenn „Herzschmerz“ krank machtBesonders starker seelischer Druck wie Trauer oder Liebeskummer kann auch zu dem sogenannten Broken-Heart- oder Tako-Tsubo-Syndrom führen. Dabei verursacht die exzessive Ausschüttung von Stresshormonen Veränderungen des Herzmuskels und Symptome wie bei einem Infarkt. „Etwa zwei Prozent aller Menschen, die wegen Herzattacken in die Notaufnahme kommen, leiden unter einem derartigen Syndrom. Durch Untersuchungen mittels Ultraschall bzw. Angiogramm lässt sich schließlich erkennen, dass hier im Unterschied zu den Infarktpatienten keine Verengungen der Herzkranzgefäße vorliegen. Nach Tagen oder Wochen tritt meistens von selbst eine Besserung ein“, erläutert Prof. Siostrzonek. Besonders häufig sind Frauen nach den Wechseljahren betroffen.

Regina Modl, Kronen Zeitung

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