20.05.2019 06:22 |

„Weg frei machen“

Ex-Kanzler-Kern empfiehlt Kurz Rücktritt

Ex-Kanzler Christian Kern (SPÖ) rät seinem Nachfolger (und Widersacher in der 2017 zu Ende gegangenen gemeinsamen Regierung) Sebastian Kurz (ÖVP), nach dem Skandal um das Strache-Ibiza-Video zurückzutreten. „Er sollte es mir gleichtun und den Weg frei machen für einen Neubeginn.“

SPÖ, NEOS und Grüne hätten bei der Neuwahl „das erste Mal seit 1979 die Möglichkeit, eine Mehrheit im Nationalrat zu bekommen“, so Kern in einem Interview gegenüber der deutschen Tageszeitung „Welt“. Der frühere SPÖ-Chef meint hier vermutlich eine Mehrheit ohne Beteiligung der ÖVP. 1979 schaffte die SPÖ unter Bruno Kreisky zuletzt mehr als 50 Prozent bei einer Nationalratswahl.

Lesen Sie auch Conny Bischofsbergers Interview mit Sebastian Kurz, das sie einen Tag nach dem Auseinanderbrechen der türkis-blauen Koalition mit dem Kanzler führte.

„Rendi-Wagner klar an der Spitze der SPÖ“
Dass Pamela Rendi-Wagner die Richtige an der Spitze der SPÖ sei, ist für Kern „klar“. Eine Obmann-Debatte jetzt vor der Wahl wäre „mehr als verrückt“. Dass er selbst vielleicht zu früh zurückgetreten sei, ließ er nicht gelten: „Meinem Abgang gingen ja eine Vielzahl von persönlichen Überlegungen voraus.“

„In jeden anderen Land wäre Koalition mit FPÖ gescheitert“
Die ÖVP habe mit der Koalition mit den Freiheitlichen „Rechtsradikalen und Obskuranten Tür und Tor geöffnet“. In jedem anderen zivilisierten Land wäre diese bereits nach drei Monaten gescheitert, zeigte sich Kern überzeugt: „Der Rechtspopulismus ist impotent, wenn er an der Regierung ist. Er erledigt sich meist von selbst. Leider richtet er dabei immer Schaden an.“

Das Statement von Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bundeskanzler Sebastian Kurz nach dem Ibiza-Skandal.

„Hirnrissige“ Vorwürfe
Angesprochen wurde Kern auch auf angebliches belastendes Material gegen ihn und Kurz, von dem der inzwischen zurückgetretene FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache auf dem Video reden soll. „Das Einzige, was ich weiß, ist, dass Strache davon spricht, dass ich in Südafrika, in Kapstadt, mit schwarzen Minderjährigen zugange gewesen wäre. Das alleine ist so was von hirnrissig, dass mir keine weitere Kommentierung einfällt“, sagte er dazu.

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